Lebenswege

 

20171030HerbstFalkplatz297BG

Advertisements

Herbstleuchten (13) Abschied vom November

 

Der November legt sich so kurz vor Herbstende richtig ins Zeug: Dunkelheit, Kälte, Nässe – alles, was das Monatsklischee zu hergibt. Die Leute verlassen das Haus und rufen „Iiiij!“, ziehen den Kopf ein und die Schultern zusammen. Spazieren gehen nur die Verrückten. Oder die, denen ein Fahrschein zu teuer ist und die zum Schwarzfahren keine Traute haben.

Die Dealer im Mauerpark können es sich auch bei Sprühregen nicht leisten, frei zu machen. „Alles klar?“, ruft mir einer zu, der denkt, nur die Gier nach Drogen könne mich in sein Revier treiben. Vielleicht ist ihm auch langweilig. Es ist hier heute auch so gar nichts los.

 

So viele bunte Blätter gibt es gar nicht mehr. Nur die dichte Hecke am Birkenwäldchen fasziniert mich mit ihrem grün-braunorangenen Farbkleid.

Die Bäume am Falkplatz hingegen sind geradezu über Nacht kahl geworden. Aber Myriade hat die bunten Blätter ohnehin über 🙂

So ohne ihr Blattkleid zeigen sich nun Stämme, Äste und Zweige der Bäume in ihrer sonst kaum beachteten Schönheit.

Die Welt scheint braun in dunkelgrau gefärbt. Plötzlich reißt der Himmel auf. Für ein paar Minuten nur taucht die Sonne den Park in ihr orange-gelb-goldenes Licht. Es strahlt und leuchtet. Ein wahres Herbstleuchten eben.

 

 

Abgesang

 

20171018_StumpfBG
Der Lieblingsbaum, Tusche und Aquarellfarben auf A4-Aquarellpapier, 18.10.2017

 

Der Lieblingsbaum der Kinder (Siehe gestriger Beitrag) ist nicht mehr. Als ich heute Nachmittag in den Park kam, um ihn aus einer anderen Perspektive zu zeichnen, lag er zersägt und aufgeschichtet. Der Baumstumpf zeigt – er war wohl morsch. Und so ist es vielleicht ein Glück, dass Xavier an ihm seine stürmischen Kräfte erprobte, bevor ein kletterndes Kind mitsamt einem hohlen Ast abstürzen konnte.

 

Viele traurige Gesichter um das nun ehemalige Bäumchen. Enttäuschte Kinder führen ihre Mütter her: Mama, guck! Andere machen das denkbar beste aus der Situation und nutzen den Stamm als warmen Sitzplatz, um die auch heute wärmende Oktobersonne zu genießen.

 

Ich werfe ein Bild vom kurzen Baumstumpf aufs Papier. Die Frau, die auf zurechtgelegten Stamm sitzt, wage ich nicht zu fragen, ob ich sie so zeichnen darf. Wahrscheinlich hätte sie es gar nicht abgelehnt. Sie sah sympathisch aus und gehörte zur Gattung Zeitungsleserin; den „Freitag“ hatte sie in ihrer Hand. Das Bild wär‘ schön geworden – in meiner Phantasie.

 

Doch fotografisch habe ich ihm noch Respekt gezollt und hier nun seht meinen Abgesang auf ihn –  den Lieblingsbaum der Kinder.

 

Standhaft

20171017_BaumBG
Standhaft, Tusche auf Aquarellpapier, 17. Oktober 2017

 

„Oh nein“, rief die Kindergartengruppe erschrocken, „das war unser Lieblingsbaum!“ In der Tat, hübsch sah er immer aus, mit seinen auch im Sommer rötlichen Blättern. Elegant hatte er seine Äste weit ausgestreckt, als wolle er zum Tanz aufrufen. Die Kinder kamen gerne und lachten, wenn sie sich durch seine Krone hangelten.

Sturm Xavier hat ihm gar übel zugesetzt. Wie Streichhölzer hat er viele seiner Äste abgeknickt. Jetzt trägt das Bäumchen Trauer. Aber mit den Wurzeln blieb es fest im Boden. Der Stamm war stark und standhaft.

Im Frühjahr werden neue Zweige sprießen.

Im Park

 

In ziemlichen Einklang mit mir selbst war ich am Montag. Wenn das kein gelungener Start in mein neues Leben als Frau von Vierzig ist?!

Buchstäblich auf Händen getragen fühlte ich mich. Nachmittags im Park – mein Thron in der Hängematte. Auf keinem Sofa liege ich bequemer! Später ein paar Kritzeleien, die zu einem runden Tag dazugehören.

Vierzig werden ist gar nicht so doof, wie ich befürchtet hatte.

Was würde ich dafür geben …

… den Geschichten lauschen zu können, die uns Bäume berichten können. Manche sind mehrere hundert Jahre alt. Sogar in Berlin gibt es eine alte Eiche, deren Alter auf etwa 900 Jahre geschätzt wird. Neunhundert Jahre!

Was so mancher alte Baum alles gesehen haben mag! Dürren, Kriege, Hungersnöte. Philosophische Dispute, Zerwürfnisse und Streit. Liebesschwüre und Hochzeiten, Freundschaften und Verrat. Wie lächerlich doch so ein einzelnes Menschenschicksal dagegen wirkt!