Unter Lindenblüten

 

Ein wenig schäme ich mich es zuzugeben, doch fürchte ich, mit meinem Unwissen nicht allein gewesen zu sein: Ich wusste, dass Linden wunderschöne Bäume sind, ein beachtliches Alter erreichen können, dass Lindenblütentee gut gegen Erkältungen helfen soll und hatte irgendwie auch eine Ahnung, dass diese Bäume in der Geschichte und Kultur unserer Region eine gewisse Rolle spielen – sonst würde es nicht so zahlreiche Gedichte geben, in denen Linden verehrt werden. Aber ich war mir unsicher, ob ich eine Linde in der freien Natur auch erkennen würde.

Ab Anfang Juni wurde ich unruhig. Sollten jetzt nicht endlich auch die Linden blühen? Aber ich konnte nirgendwo einen Baum entdecken, der sich zweifelsfrei als Linde identifizieren ließ. Hatte ich sie einfach nicht gesehen? War ich nicht aufmerksam genug gewesen? Fast hatte ich mich damit abgefunden, dass ich die Lindenblütenzeit in diesem Jahr verpasst hätte und nahm mir vor, demnächst mal auf der Straße „Unter den Linden“ zu flanieren, um mir das Aussehen dieser Bäume ganz genau einzuprägen –  obwohl das für mich eine Überwindung wäre: Was für Touristen in Berlin eine Attraktion ist, bedeutet für mich Autolärm, Krach, Abgasgestank und lauter Menschen, die in meinem Weg herumstehen.

Eines Nachmittags, etwa vor zwei Wochen, auf meinem Heimweg mit dem Fahrrad im Tiergarten, machte ich eine kurze Trinkpause und sah nach oben. Fast hätte ich gejuchzt, denn was entdeckte ich: eine Linde, die gerade ihre Blüten öffnete. Beschwingt fuhr ich weiter und plötzlich sah ich sie überall auf meinem Weg: blühende Lindenbäume.

Die Linde blüht bescheiden:  im Vergleich zu Kirschbaum, Kastanie und Holunder, die mit ihrer Blüte protzen und in ein jedes Auge springen, wartet sie ab, bis alle anderen ihre Pracht wieder abgelegt haben und teil sogar die erste Früchte tragen. Dann legt sie ihr gelbliches Gewand an und sorgt für Nahrungsnachschub für Insekten. Der durchschnittliche gestresste Stadtbewohner, so behaupte ich, bemerkt ihre Blütenpracht fast nie. Nur wer auch hinsieht, der entdeckt die Blüten, die nur um weniges heller sind als die grünen festen Lindenblätter.

Für mich ist die Linde eine der „Entdeckungen“ durch meine neue Achtsamkeit. Welch ein Glück.

 

 

 

Noch mehr Knospen,

 

… die sich öffnen.

Inzwischen beginnen auch die letzten Sträucher und Bäume zu grünen. So wie dieser. Ob es sich hier um einen Spitzahorn handelt? Ich werde es weiter beobachten.

 

 

Faszinierend, wie sich die Knospen öffnen und die kleinen hübschen Blüten austreten.

Gelbe Blütenvielfalt

Seit ich vor einiger Zeit die Blüte der Kornellkirsche entdeckt habe (mein damaliger Beitrag hier), springen mir gelb blühende Frühjahrsbüsche besonders ins Auge. Wo immer ich kann, trete ich näher um die Blütenform genau zu betrachten. So manche Forsythie hat sich dabei als Kornellkirsche entpuppt, wobei beide Arten hier in der Stadt gern als Heckenpflanzen gesetzt wurden. Dann gibt es auch noch den gelb blühenden Winterjasmin, dem ich früher ebenfalls den Stempel „Forsythie“ aufgedrückt hatte. Vom Winterjasmin habe ich kein selbstgemachte Foto, aber für alle von Euch, die es interessiert, hier Kornellkirsch- und Forsythienblüten im Vergleich. Die Bilder können durch Anklicken vergrößert werden.

Wer viele Fotos macht …

 

… hat die Qual der Wahl. Welches hebe ich auf, welches lösche ich, welches zeige ich. Und — wenn ich Bilder von Pflanzen, Blüten und Blättern veröffentliche, so möchte ich doch wenigstens eine kleine Ahnung davon haben, was ich auf meinem Blog zeige.

Da sitze ich also, durchforste das Internet und den dicken Wälzer, den ich von meinem Opa vermacht bekommen habe und suche, vergleiche, verwerfe oder aber entdecke.

Bei diesem Bild bin ich mir ziemlich sicher, dass ich Euch Weidenkätzchen zeige. Es müsste sich um Kätzchen der Ohr-Weide handeln, da diese vor dem Laubaustrieb erscheinen und genauso verwuschelt aussehen, wie die in meines Opas Buch. Pflanzenliebhaber*innen dürfen mich natürlich gern korrigieren.

Ohr-, Grau-, Sal- oder welche Weide auch immer: die Kätzchen sehen hübsch und sehr possierlich aus, besonders wenn der Himmel so leuchtend blau wie hier strahlt.

 

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