Bilder der Ausstellung

 

Kurz war ich gestern tatsächlich zum Tag der Offenen Tür, bei dem ja auch meine Bilder gezeigt wurden. Allerdings war die Stippvisite kurz über meiner Belastungsgrenze: die Veranstaltung war brechend voll. Viele auch mir bekannte Gesichter – PatientInnen und TherapeutInnen – waren da, die meisten ein Gespräch führend oder suchend, was mir ja besonders unangenehm war, weil ich so nicht anonym durch die Veranstaltung gehen konnte.

Die TherapeutInnen der Praxis und viele der KlientInnen hatten sich enorme Mühe gegeben und viel Arbeit in die Veranstaltung gesteckt; nur war ich eben vor Ort psychisch überhaupt nicht fähig, das auch nur ansatzweise würdigen zu können.

Im unteren Kelleratelier war die Ausstellung von künstlerischen Werken der PatientInnen. Neben meinen Bildern wurden auch eindrucksvolle und wirklich gelungene Werke anderer Patientinnen und Patienten gezeigt und gerne würde ich Euch etwas darüber schreiben oder zeigen. Aber ich fühlte mich außerstande, innerlich etwas davon aufzunehmen, noch gar mit den KünstlerInnen zu sprechen, die teils ja auch vor Ort waren. Ein Maler, dessen Gesicht ich aus den Therapiestunden kenne, suchte das Gespräch mit jedem, der oder die seine Bilder genauer betrachtete und erklärte etwas zu Motiv und Technik. Ich hingegen hätte einen Teufel getan als mich auch nur einer einzigen Person gegenüber als selbst Ausstellende erkennen zu geben. W hat dankenswerterweise ein paar Fotos gemacht, allerdings nur von meinen Bildern – ich selbst war nicht dazu in der Lage und mein dringendster Gedanke den gesamten Aufenthalt dort über war der, so schnell wie möglich die Flucht anzutreten.

Nun könnte ich mich selbst dafür schelten, wie viel ich da gestern wohl verpasst habe und wie dumm diese ganze Angsthaberei und das zum Eisblockwerden meinerseits war. Aber ich will es anders sehen: mich freuen über den würdigen Rahmen, in dem meine Bilder gezeigt; glücklich darüber sein, welch tolle Ergotherapiepraxis mit so wahnsinnig engagierten TherapeutInnen und kreativen MitpatientInnen ich gefunden habe; zufrieden mit mir, dass überhaupt dort war und dass ich rechtzeitig festgestellt habe, dass meine Schmerzgrenze erreicht war ich die Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt verlassen habe.

Wenn das kein Grund zur Freude ist?

 

 

 

 

 

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„Ausstellung“ morgen, am Freitag

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Morgen ist also der Tag, an dem ich Teile meiner Bilder zum ersten Mal nicht nur in der virtuellen Welt, sondern einem realen Publikum zeige.

Meine Ergotherapiepraxis feiert zweijähriges Jubiläum und in diesem Rahmen gibt es zwischen 11 und 18 Uhr ein buntes Programm und im Keller eine Präsentation von Bildern, die die im Rahmen der Praxisarbeit entstanden sind. Ich selbst bin ja noch nicht so lange dabei, durfte aber dennoch auch eine ganze Reihe an Bildern aufhängen, die ich bereits zuvor oder währenddessen privat zu Hause gezeichnet oder gemalt habe. Ein kleines schlechtes Gewissen hatte ich, mich mit meinen Werken so auszubreiten. Aber größer war der Wunsch, eine ganze Reihe meiner Bilder zu zeigen. So ist inzwischen – zu meinem ziemlichen Erstaunen – eine ganze Reihe durchaus präsentabler Werke beisammen gekommen.

Ich selbst werde wohl – wenn überhaupt – aber nur kurz bei der Veranstaltung sein. Das ist zu viel Trubel, den ich inzwischen zwar hin und wieder sonntags, anonym und – ganz wichtig – unter freiem Himmel mit gefühlter Fluchtperspektive – im Mauerparkgedränge aushalten kann; … aber in einem geschlossenen Raum? Zwischen eventuell mir bekannten Gesichtern?

Andererseits würde es mich ja doch interessieren, zu sehen, wie andere Leute (Fremde, die ja nicht loben „müssen“, weil sie Freunde oder Therapeuten sind) meine Bilder betrachten. Kurz hatte ich die Idee, der Veranstaltung als Ausstellungsobjekt „verkleidet“ beizuwohnen, versteckt unter einer Tarnkappe, wie ich sie mir so oft auch im echten Leben wünsche. Aber momentan habe ich kein Gramm Elan für ein solches Projekt übrig. Ich habe ja nicht einmal mehr den Mumm gehabt, die Bildzusammenstellung zu fotografieren, nachdem ich alles an den Wänden angebracht hatte.

Fliegen

 

Inzwischen ist es so, dass es für mich nicht mehr ganz so anstrengend ist, in den Räumen der Ergotherapiepraxis zu sein. Ich bin zweimal wöchentlich dort, jeweils zur selben Zeit und meist in Anwesenheit eines mir inzwischen bekannten (wenn auch nicht vertrauten) PatientInnen- und TherapeutInnenkreises.

 

Ich komme zur festgelegten Zeit, weiß inzwischen, wo die Materialien sind und ich bekomme meist ungefragt Hilfe beim Aufbau von Staffelei und Leinwand angeboten. Gelegenheit zum Training von Kommunikation ist dennoch. Psychische Krankheit geht ja nicht bei allen PatientInnen mit Schweigsamkeit einher. Ich wundere mich manchmal, welches Redebedürfnis die anderen KlientInnen der Praxis haben. Das ist auch eine Strategie in der Krankheitsbewältigung. Auf Smalltalk kann ich mich nicht einlassen und ich erzähle auch nichts von mir, aber meine Bilder laden MitpatientInnen zu regelmäßigen Fragen ein: warum dieses Motiv, warum die Farbe, ist das ein Selbstporträt, ein Spiegel, ein Wunschtraum? Inzwischen bringt mich das immerhin nicht mehr so ins Schleudern und ich ducke mich nicht mehr vor Angst, angesprochen werden zu können.

 

Das erste große Bild ist fertig. Ich habe es nicht abgemessen, aber es dürfte vielleicht zwei Meter breit sein. Damit ist es entschieden zu groß, um bei mir zu Hause Platz zu finden. Für mich schmeichelhafterweise freuen sich die Mitarbeiter der Praxis, mein Bild als Dauerleihgabe zu behalten und an prominenter Stelle – im regelmäßig frequentierten Durchgang und Raucherraum – aufzuhängen.

Für einen richtigen, endgültigen Titel konnte ich mich noch nicht entscheiden, „Fliegen“ ist die vorläufige Version.

 

 

 

Nun arbeite ich an einem weiteren großen Bild und ich bin so ergriffen vom Thema Wolf, dass für mich kein anderes Motiv in Frage kommt als ein einsamer Wolf in den Weiten der Steppe – – – was zugegebenermaßen reichlich Gelegenheit für Projektionen und Deutungen gibt.

Die Rohversion zeige ich hier schon einmal.

20170714_ERGOWolf64

 

Was das angesprochene Thema der „Ausstellung“ betrifft – ich setze das Wort bewusst in Gänsefüßchen, denn es ist nicht so hochtrabend „wichtig“, wie es klingt (fast komme ich mir vor wie eine Hochstaplerin):

Am 18. August wird das zweijährige Jubiläum der Praxis mit einem Tag der Offenen Tür gefeiert. In diesem Rahmen werden öffentlich Arbeiten gezeigt, die in der Ergotherapiepraxis entstanden sind. Ich darf und werde meine beiden großen Bilder zeigen, aber auch zu Hause entstandene Ölbilder und einige der Zeichnungen, die ich in der Klinik als Überlebensstrategie gezeichnet habe.

Ich kann Euch auch die vielen interessanten Werke der anderen ans Herz legen. In der Praxis tummeln sich hoch kreative und ausdrucksstarke Menschen. Falls jemand von den Ortsansässigen Interesse hat, beschreibe ich noch einmal, wann und wo genau Fest und „Ausstellung“ stattfinden werden.

Ein paar der Bilder hängen seit Freitag:

20170721_Bilder

 

 

 

 

brennender ehrgeiz

mit dem malen und zeichnen habe ich vor drei jahren angefangen, als ich vor schwäche und schmerzen nichts anderes tun konnte, als strich neben strich zu krakeln.

 

früher, in der schule, fand ich den kunstunterricht schrecklich. wahrscheinlich lag es am lehrprogramm, an den lehrerinnen und lehrern. viel besser wird es heutzutage an den schulen oft nicht sein.

 

heute aber, in den zeiten der dunkelheit und isolation, hilft mir das malen. manchmal möchte ich tagelang gar nichts anderes tun, empfinde meine sowieso schon nutzlosen tage als vergeudet, wenn ich nicht wenigstens eine kleinigkeit gekritzelt habe.

 

ich habe geübt und geübt, um immer besser zu werden,

um meine gefühle und gedanken in bilder fassen zu können;

um meine seele abzubilden;

die depression zu versinnbildlichen,

und die angst. mal als wolke, mal als schwarze hand. das bild des schwarzen hundes aus dem roman von kohlmeier gefällt mir auch sehr gut.

 

noch fällt es mir schwer, die bilder, die ich im kopf habe, auf papier oder leinwand zu bringen.

 

noch schlimmer aber: ehrgeiz, leistungswahn und perfektionismus haben meinen schönen zeitvertreib eingeholt. ich vergleiche mich mit anderen, natürlich nur mit jenen, die viel besser sind als ich; hadere mit mir, dass ich niemals perfekt sein werde; zweifele – ja, verzweifele – an mir und denke, ich solle die finger von der malerei lassen – weil ich ja doch nie die perfekte meisterin der kunst sein kann, die ich sein will.

 

natürlich weiß ich – theoretisch – schon sehr lange, dass es nicht darauf ankommt, immer die beste zu sein, alles besonders gut und hervorragend zu machen; dass es manchmal wichtiger ist, einfach nur zu machen, mit herz und seele dabei zu sein.

 

aber bis diese erkenntnis auch im inneren, tief in der seele, angekommen ist, wird es noch ein weiter weg sein.

 

schwarzes zimmer

kinderzimmer

kinderzimmer