Die letzten Blätter des Jahres

 

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Die Innenstadt ist wärmer als das nackte Land. Ich staune, wie viele Bäume noch an ihren bunten Blättern klammern. Nicht immer kann ich mich über die Farben freuen, aber ich versuche doch, jeden Tag wenigstens einmal innezuhalten und den Anblick wahrzunehmen, aufzusaugen, zu genießen.

Endjahresstimmung kommt auf, aber ich will im Hier und Jetzt bleiben.

Stehenbleiben. Durchatmen. Weitergehen.

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Herbstleuchten (7.2) Kontraste

 

Den im letzten Beitrag gezeigten Bildern kalter Berliner Architektur muss ich zwanghaft und zur eigenen Entspannung noch ein paar Kontrastbilder entgegensetzen. Aufgenommen gestern am Plötzensee (ich muss zwar eigentlich immer an das Gefängnis denken, doch die meisten Berliner denken wohl vorrangig an den eigentlichen See und das Freibad) und heute im Großen Tiergarten.

 

Scharbockskraut

Manchmal fühle ich mich wie ein kleines Kind, das die Welt entdeckt. Was ich früher alles übersehen habe! Nun blicke ich auf meinen Spaziergängen links und rechts, bleibe stehen, bücke mich, betrachte Knospen und Blüten von ganz nah. Manchmal fotografiere ich sie. Wenn ich ohne Fotoapparat unterwegs bin, mache ich mich auch kleine Skizzen, um zu Hause nachzulesen, welche Pflanzen ich da „entdeckt“ habe.

 

Neu in meinem Wahrnehmunghorizont: das wunderhübsche Scharbockskraut. In manchen Parks der Stadt steht es in großen, gelb leuchtenden Gruppen. Nach meinem Empfinden ist es eine echte Augenweide.

 

 

Zu einer Zeit, als es noch nicht zu jeder Jahreszeit frisches Gemüse zu kaufen gab, war das Scharbockskraut für viele Menschen eine (Über)lebensquelle, denn seine Blätter strotzen vor Vitamin C. Zum Kosten ist es jetzt allerdings zu spät, denn sobald das Kraut in voller Blüte steht, sollte man es allenfalls getrocknet genießen.

Sonntagssonne

Für den heutigen Sonntagsspaziergang habe ich mir einen „richtigen“ Fotoapparat ausgeliehen und die Bilder nicht mit dem Handy gemacht. Gerade da ich ja die kleinen Veränderungen der Natur und oft unbeachtete Details fotografisch festhalten möchte, ist so ein guter Apparat mit entsprechender Auflösung natürlich etwas wundervolles. Ich muss mich da allerdings noch etwas weiter einfuchsen.

Trotz der eisigen Nachttemperaturen treiben einige Sträucher und Bäume in der Spätjanuarsonne weiter aus. In den Schrebergärten an der Bornholmer Straße hat der Mohn bereits recht große Blätter und ich vermute, dass es Phlox ist, der vorwitzig einige Millimeter aus der Erde lugt. Warum will er nicht noch ein paar Wochen ruhen? Die eigentlichen Frühblüher – Schneeglöckchen, Krokusse, Hyazinthen – sind jedenfalls noch tief unter der Erde verborgen.

Vierundzwanzig Stunden

Es erscheint mir Jahr für Jahr wie ein Wunder, wie schnell die Natur sich verändern kann.

Innerhalb eines einzigen Tages haben sich etliche Blattknospen geöffnet. Ich sehe immer mehr grüne Tupferchen an den Sträuchern. Ist das nicht noch viel zu früh? Werden die zarten Blätter den Februarfrösten standhalten können?

Grünes Treiben über Eis

Bauklötzer habe ich gestaunt, als ich heute an mehreren Sträuchern bereits fette Blattknospen und zarte grünsaftige Blattspitzen entdeckt habe, während die Berliner Seen immer noch vereist sind. Beginnt das grüne Treiben wirklich schon Ende Januar?

Es tut mir gut, auf meinen manchmal umwegreichen Wegen von der Klinik nach Hause genau hinzusehen und die Veränderungen in der Natur zu beobachten. Ich habe heute mit einer Mitpatientin darüber gesprochen. Auch ihr helfen achtsame Gänge durch die Natur, das Betrachten einzelner Blätter oder Zweige, die sich im Wind bewegen, treibender Wolkentiere oder der Spiegelungen des Wassers, Negativgedanken und Grübelspiralen zu unterbrechen, im Hier und Jetzt zu sein.

 

Vorwitz oder Trotz?

Als ich am Freitag die Tagesklinik verließ, strahlte die Sonne gleißend hell und ich vermeinte tatsächlich, einen Hauch von Frühling in der Luft zu vernehmen.

Mag es auch bis zum tatsächlichen Frühlingsbeginn noch einige Tage dauern, scheint es mir dennoch, dass die düsterste und schwierigste Zeit des Jahres vorbei ist. Daran können weder Frost noch Schneeregen etwas ändern.

Ob die winzigen Blättchen an der sonst kahlen Hecke dem Winter getrotzt haben? Oder haben auch sie den Impuls zum Neuanfang gespürt und wollen vorwitzig die ersten Boten des Frühjahrs sein? Sie sehen weder schön noch imposant aus, haben dennoch aber meinen Tag mit Farbe erfüllt.

 

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