Herbsttraum

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Blumen …

 

… zum letzten Augustwochenende.

 

 

Das Jahr schreitet voran, unaufhaltsam und die ersten bunten Blätter zeigen sich vereinzelt an den Bäumen der Innenstadt. Aber noch haben wir ein wenig Zeit, das Grün zu genießen.

Und auch eine späte Baumblüte erheitert mein Auge. Der Japanische Schnurbaum kommt ursprünglich aus Asien, wird aber heute auch als Zierbaum in unserer Region angepflanzt. In Berlin, zum Beispiel, bereichert er das Stadtbild mit seiner späten Blüte im August und gilt zudem als Bienennährpflanze.

Entlang des ehemaligen Mauerweges im Prenzlauer Berg wurden einige dieser Bäume gepflanzt; auch in Parks habe ich sie schon gesehen. Wieder muss ich bekennen: es ist das erste Jahr, dass ich diese späte Blütenpracht überhaupt wahrgenommen habe. Bisher dachte ich, die große Zeit der Baumblüte sei immer schon im Mai vorbei.

 

 

 

 

 

 

Unter Lindenblüten

 

Ein wenig schäme ich mich es zuzugeben, doch fürchte ich, mit meinem Unwissen nicht allein gewesen zu sein: Ich wusste, dass Linden wunderschöne Bäume sind, ein beachtliches Alter erreichen können, dass Lindenblütentee gut gegen Erkältungen helfen soll und hatte irgendwie auch eine Ahnung, dass diese Bäume in der Geschichte und Kultur unserer Region eine gewisse Rolle spielen – sonst würde es nicht so zahlreiche Gedichte geben, in denen Linden verehrt werden. Aber ich war mir unsicher, ob ich eine Linde in der freien Natur auch erkennen würde.

Ab Anfang Juni wurde ich unruhig. Sollten jetzt nicht endlich auch die Linden blühen? Aber ich konnte nirgendwo einen Baum entdecken, der sich zweifelsfrei als Linde identifizieren ließ. Hatte ich sie einfach nicht gesehen? War ich nicht aufmerksam genug gewesen? Fast hatte ich mich damit abgefunden, dass ich die Lindenblütenzeit in diesem Jahr verpasst hätte und nahm mir vor, demnächst mal auf der Straße „Unter den Linden“ zu flanieren, um mir das Aussehen dieser Bäume ganz genau einzuprägen –  obwohl das für mich eine Überwindung wäre: Was für Touristen in Berlin eine Attraktion ist, bedeutet für mich Autolärm, Krach, Abgasgestank und lauter Menschen, die in meinem Weg herumstehen.

Eines Nachmittags, etwa vor zwei Wochen, auf meinem Heimweg mit dem Fahrrad im Tiergarten, machte ich eine kurze Trinkpause und sah nach oben. Fast hätte ich gejuchzt, denn was entdeckte ich: eine Linde, die gerade ihre Blüten öffnete. Beschwingt fuhr ich weiter und plötzlich sah ich sie überall auf meinem Weg: blühende Lindenbäume.

Die Linde blüht bescheiden:  im Vergleich zu Kirschbaum, Kastanie und Holunder, die mit ihrer Blüte protzen und in ein jedes Auge springen, wartet sie ab, bis alle anderen ihre Pracht wieder abgelegt haben und teil sogar die erste Früchte tragen. Dann legt sie ihr gelbliches Gewand an und sorgt für Nahrungsnachschub für Insekten. Der durchschnittliche gestresste Stadtbewohner, so behaupte ich, bemerkt ihre Blütenpracht fast nie. Nur wer auch hinsieht, der entdeckt die Blüten, die nur um weniges heller sind als die grünen festen Lindenblätter.

Für mich ist die Linde eine der „Entdeckungen“ durch meine neue Achtsamkeit. Welch ein Glück.

 

 

 

(Gegen)perspektiven

 

Am Sonntag schlenderten W und ich wie üblich den Mauerpark entlang. Ich trödelte, blieb überall stehen, sei es, um die Vorbereitungen für ein Straßen(Park-)konzert festzuhalten, die Wolkenformationen abzulichten oder mich in die Flora am Rand der inzwischen trocken-gelben Parkwiese zu vertiefen. So merkte ich zunächst nicht, dass W unterdessen seinerseits die Gegenperspektive einnahm und im gleichen Augenblick wie ich auf den Auslöser drückte, nur diesmal die Motivfängerin ins Objektiv nahm.

Drei dieser Gegenpaare zeige ich hier:

 

Rosen und welkende Sonnenblume

 

 

Rosenblüten eignen sich perfekt für Zeichenübungen und sind derzeit überall in der Stadt zu finden. Jedoch – je nach Windstärke halten auch diese Modelle nie wirklich still und an locker bewölkten Tagen muss man auch mit dem Wechsel von Licht und Schatten zurechtkommen.

Dennoch ziehe ich eine Blüte am lebenden Strauch einer perfekt ausgeleuchteten abgeschnittenen Blume in der Vase zu Hause vor. Schnittblumen machen mich irgendwie auch traurig. Nochzumal ich inzwischen genug Informationen über konventionelle Massenblumenzucht habe, um gerne auf die stete Vasenblütenpracht zu Hause zu verzichten. Doch hat sich doch einmal eine Schnittblume in mein Haus verirrt, wird sie als lieber Gast behandelt, gehegt und gepflegt. Und gezeichnet! Wie diese Sonnenblume, die W geschenkt bekam und die beim Fahrradfahren einiges an Federn (Blütenblättern) lassen musste. Ich habe mich an Feder, Pinsel und Tusche probiert, die mir prompt auf der linken Vasenseite verlief. Also hier nur ein Ausschnitt der heutigen Zeichnung.

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Sonnenblume, welkend (c) Agnes Podczeck

 

Der erste Mohn

 

Inzwischen blüht auch der Mohn. Die ersten Blühpflanzen dieses Jahres habe ich am Sonntag in Pankow am Bürgerpark gesehen. Ich konnte nicht an mich halten und habe Pastellkreide und Pastellpapier aus meiner Fahrradtasche geholt, mich in die Sonne gestellt und gezeichnet. Dabei gemerkt: für künftige Zeichenausflüge brauche ich einen großen Schlapphut, der mir meinen eigenen Schatten spendet.

Nicht nur ich war fasziniert. Viele andere Spaziergängerinnen (ja, mit kleinem i, es waren in der Tat nur Frauen) blieben stehen und riefen ach! und oh! und zückten ihre Handys.

Hier gesehen eine etwas hellere Sorte türkischer (oder orientalischer) Mohn mit vielen Blütenblättern. Aus dem Garten meiner Großeltern, dem ich auch Samen für meinen eigenen Garten entnommen hatte, kenne ich vor allem die sehr dunkle Variante des armenischen Mohns (Arzneimohn, wie mir Wikipedia verraten hat) mit nur fünf Kronblättern.

 

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