Wortlos

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Wegwarte

Wegwarte

Die Wegwarte ist eine der Pflanzen, die sich in meinem Kopf unlöslich mit der Erinnerung an meine Oma verknüpft haben.

Ich weiß noch nicht einmal genau, warum. Nie bin ich mit ihr durch die Straßen gegangen, über Feldwege getänzelt und schon gar nicht war ich mit ihr auf dem Rummelplatz, wie ein berühmter Schlager jener Jahre verhieß. Ich habe meine Oma, die von Jahr zu Jahr schlechter laufen konnte und in ihrem Stolz entschieden zurückwies, die Straße mit einer Gehhilfe zu betreten, immer nur in ihrem Haus erlebt und später dann im Pflegeheim.

Es wird wohl so gewesen sein, dass ich an jenem Tag mit meinem Opa unterwegs war und wir von der Endhaltestelle der Straßenbahn nach Hause liefen, wo ich unterwegs ein paar Feldblumen für meine Oma pflückte. Bestimmt hat sie mir, als ich ihr stolz den Strauß überbrachte, erklärt, dass ich keine Kornblumen, sondern Wegwarten gefunden hatte. Vielleicht hat sie mir dann auch wieder eine ihrer Erzählungen aus ihrer Kindheit und Jugend erzählt, die so liebte und die ich immer und immer wieder hören konnte. Wenn ich die Augen schließe, kann ich noch ihre Stimme vernehmen.

Rosen und welkende Sonnenblume

 

 

Rosenblüten eignen sich perfekt für Zeichenübungen und sind derzeit überall in der Stadt zu finden. Jedoch – je nach Windstärke halten auch diese Modelle nie wirklich still und an locker bewölkten Tagen muss man auch mit dem Wechsel von Licht und Schatten zurechtkommen.

Dennoch ziehe ich eine Blüte am lebenden Strauch einer perfekt ausgeleuchteten abgeschnittenen Blume in der Vase zu Hause vor. Schnittblumen machen mich irgendwie auch traurig. Nochzumal ich inzwischen genug Informationen über konventionelle Massenblumenzucht habe, um gerne auf die stete Vasenblütenpracht zu Hause zu verzichten. Doch hat sich doch einmal eine Schnittblume in mein Haus verirrt, wird sie als lieber Gast behandelt, gehegt und gepflegt. Und gezeichnet! Wie diese Sonnenblume, die W geschenkt bekam und die beim Fahrradfahren einiges an Federn (Blütenblättern) lassen musste. Ich habe mich an Feder, Pinsel und Tusche probiert, die mir prompt auf der linken Vasenseite verlief. Also hier nur ein Ausschnitt der heutigen Zeichnung.

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Sonnenblume, welkend (c) Agnes Podczeck

 

Achtsamkeitsspaziergang

Am Freitag fielen in der Klinik aufgrund von Krankheit einige Therapiestunden aus. Statt dessen habe ich mittags mit einer Mitpatientin einen kleinen Achtsamkeitsspaziergang über den Klinikhof gemacht. Schon allein diese Tatsache – ich ging nicht allein, sondern schloss mich einer anderen Patientin an, wurde gefragt und sagte nicht nein – ist eigentlich größere Beachtung als nur ein kleiner Nebensatz wert …

 

Meine kleine späte Rose ist längst verblüht; die letzte Knospe war nicht mehr aufgegangen, an den anderen Zweigen stehen Hagebutten.

Besonders interessant fand ich es dieses Mal, Strukturen in der Natur wahrzunehmen. So manche Schönheit habe ich gefunden, die meine Augen erfreut haben. Am Ende des Spaziergangs belohnte uns ein ganz besonderer Fund: eine winzig kleine rote Nelke, die dem grauen Dezember ein fröhliches Leuchten entgegenrief.