Und es ward Stille

 

 

Alle waren sie fassungslos, standen stumm, erstarrt. Selbst die Blätter an den Bäumen wagten nicht zu rascheln.

Duldsam waren sie gewesen. Nur wenige hatten die Menschen bisher aus ihrer Mitte geholt. Die Schwachen. Die angeblich Nutzlosen. Die Unbeliebten. Die Anderen. Dann war eine Weile Ruhe gewesen und sie hatten gedacht, aufatmen zu können. Sowieso – hätten sie etwas anderes tun können, als still die Stirn zu runzeln und sich innerlich von den Grobianen zu distanzieren?

Nun hatte es das kleine Einhorn getroffen. Alle hatten es geliebt. Es war schnell gewesen, wild, unbezähmbar, gewitzt und phantasievoll. Es sang die wundervollsten Lieder und konnte Geschichten erzählen, die alle in eine andere Welt versetzte.

Nun lag es hier. Hauchte sein Leben aus. Löste sich auf. Ins Nichts.

Und nun?

 

Die Tuschezeichnungen entstanden auf A3 Papier, waren daher nicht normal einzuscannen und reflektierten das Licht beim Photographieren. Daher ist die Bildqualität hier nicht optimal. Wenn ich eine andere Digitalisierungsmöglichkeit gefunden habe, werde ich die Zeichnung nochmals einstellen.

 

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Mit Kinderaugen

 

20170808_EinhornBG

 

Mehrfach habe ich bereits berichtet, dass ich inzwischen ganz entspannt im Berliner Straßenraum zeichnen kann, ohne dass ich durch aufdringliche Passantinnen und Passanten belästigt werde. Was die einen als Kaltherzigkeit und Anonymität der Großstadt, in der sich die Menschen nicht (mehr) füreinander interessieren, beklagen, ist genau das, was mir das Leben in dieser Stadt erträglich macht.

Eine Ausnahme allerdings gibt es; und das sind die Kinder. Kinder sind die einzigen, die mir immer wieder über die Schultern schauen. Inzwischen komme ich damit ganz gut zurecht, nochzumal die meisten Kinder von zeichnenden Erwachsenen hellauf begeistert sind und auch Zeichnungen bewundern, die ich selbst als eher misslungen ansehe. Liegt es daran, dass es Kinder zu schätzen wissen, wenn sich Erwachsene dieser spielerischen Tätigkeit hingeben, die in der durchschnittlichen Alltagswelt nur angebliche Kleinkindsache ist? Liegt es daran, dass ich mich, indem ich die Dinge zeichnend betrachte, auf ihre Ebene begebe, ihre Sprache spreche? Oder ist es die Faszination dabei zusehen zu können, wie auf dem Papier nach und nach ganze Welten entstehen?

Die hier gezeigte Zeichnung entstand während einer Bahnfahrt. Grundlage war eine Pferdeskizze, die ich im Wildpark Schorfheide begonnen hatte und dann abgebrochen habe, weil die Pferdeherde weitergetrabt war. Ich kritzelte ein wenig um das Pferd herum und plötzlich war ein Einhorn entstanden und die Begeisterung der neben mir sitzenden Mädchen entfacht. Ich gesellte dem Einhorn ebenfalls ein Mädchen zu und stellte beide in eine Berg- und Wiesenlandschaft.

„Oh! Sind das Sternenschweif und Laura?*“, fragte die links neben mir sitzende Kleine?

„Keine Ahnung! Ich glaube nicht,“ meinte ich unentschlossen.

Und dann entschieden wir, dass die beiden Zeichenfiguren die Namen der beiden Mädchen neben mir bekommen sollten.

Stolz und mit leuchtenden Augen beobachteten sie, wie ich die Zeichnung mit ihren Namen betitelte. Dann musste ich leider schon aussteigen.

 

Mein aktuelles Skizzenbuch ist fest gebunden und hat keine heraus trennbaren Seiten. Für die nächsten Ausflüge werde ich unbedingt auch loses Papier einpacken, damit ich den Kindern ihre Krokodile, Prinzessinnen und Einhörner mitgeben kann.

 

 

*Sternenschweif – Buch- und Hörspielreihe über das magische Einhorn Sternenschein und seine menschliche Freundin Laura

Kopfgeburt – Eine Einhornbildgeschichte

Statt tränenschwang`rer Worte, rührseligem Blick zurück und vorsatzvollem Zukunftsplanen eine kleine Endjahresbildgeschichte.

Natürlich wünsche auch ich Euch das, was man sich so heute gegenseitig wünscht, und zwar aus ganzem Herzen.

Einen lieben Gruß an Euch alle