Aus meinem Skizzenbuch 4

 

201701januar_daemonenbg
Dämonen, Skizzenbuch, A5, Bleistift; Januar 2017
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An Tagen wie diesen …

… an denen mich morgens mein tablettenaufgedunsenes Gesicht anglotzt,

… die Hose über den ehemaligen Läuferinnenbeinen spannt,

… die nasse Kälte unter die Kleider zieht,

… die Wolken tief hängen

… und sich die Dunkelheit tagsüber nie verzieht,

glaubt die Stimme des inneren Monsters endlich wieder Oberwasser zu haben:

„Dieses ganze Achtsamkeitsgedöns, sieh dich an, sieh, wie wie wenig Kraft du hast, spüre deine Schmerzen! Das hältst du sowieso nicht lange durch, dich zusammenzureißen; wie willst du denn in diesem Zustand in eine berufliche Reha gehen, das schaffst du nie nie nie und niemals! Warte es nur ab, bald brichst du wieder zusammen. Du bist nicht geschaffen für ein Leben in Interaktion mit anderen Menschen, hältst nichts aus, ein Windhauch pustet dich um. Stell‘ dich darauf ein, dein ganzes Leben in deinen vier Wänden zu verbringen, allein, Pillen schlucken, damit du nicht komplett irre wirst und du wirst nur nicht deswegen so vergnatzt und verhärmt aussehen, weil du so fett geworden sein wirst. Die Leute werden sich vor dir gruseln, Kinder werden vor dir weglaufen. Wirst ein Leben lang von Almosen leben. Bestenfalls wirst Du weiter kritzeln und ein bisschen bloggen – anderen Leuten vormachen, Du seist stark, Du Betrügerin.“

Der innere fiese Monolog ist lang.

Ich will dem die Figur der Frau Schwermut entgegenhalten, die ich Anfang Oktober formte, als ich erst am Anfang meiner Klinikzeit stand. Ein Abbild meines damaligen Ich-Gefühls. Dagegen bin ich heute ein fröhliches Rehkitz. Und Du, mein inneres Monster, Bist längst nicht mehr so allmächtig wie damals.

Ich sage es Dir nochmals und nochmals: ich bin auf dem Weg heraus aus dem Tal. Versuche es nur, mich wieder in den Schlund zu ziehen: es wird mich nur noch stärker machen.