Roter Riese

 

Noch eine Zeichnung aus dem Naturkundemuseums vom Monatsanfang:

Dieses Riesenkänguru ist ein fast 200 Jahre altes Präparat. Faszinierend, dass es noch immer so gut erhalten ist. Auf Bauch und Brust ist die Naht sehr gut zu sehen und dementsprechend merkwürdig mutet die stolze Haltung, die sich die Präparaten für das Tier ausgedacht haben. „Na, suchst Du Streit?!“, scheint es zu fragen.

 

20170801_Känguru

 

Übrigens – Ich kann kein Känguru mehr sehen, ohne die die Stimme Marc-Uwe Klings im Ohr zu haben. Seine grandiose Känguru-Triologie hilft mir so manchen Abend beim Einschlafen.

 

 

 

 

 

Advertisements

Scheckiger Hund, der am Meer entlangläuft

 

2017019_Verwandlung-2
Die Verwandlung, Skizzenbuch A4, Bleistifte, 19.08.2017

 

Nach dem Freitag fühle ich mich extrem erschöpft, übe mich aber darin, mich deswegen nicht zu verurteilen, sondern mir das Recht für eine Rast zuzugestehen.

Gestern habe ich mir erlaubt, einen großen Teil des Tages im Bett zu lagern. Dort lässt es sich zwar nicht gut mit Farben arbeiten, aber mit Papier und Bleistift zeichnen klappt immer. Ich hatte keine spezielle Bildidee, folgte meiner Eingebung und es entstand folgende Zeichnung, die ich vielleicht in der einen oder anderen Form auf Leinwand umsetzen will.

Heute Vormittag habe ich Aitmatows Scheckiger Hund, der am Meer entlangläuft ausgelesen. Vor über zwanzig Jahren hatte ich dieses Buch bereits im Haus meiner Großeltern gelesen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich die Erzählung vor dem Einschlafen in einem Atemzug verschlang und wenige Stunden später mit gleißendem Durst erwachte, wie ich ich ihn noch niemals in meinem Leben gespürt hatte. Ich rannte ins Badezimmer, schnappte nach Wasser, trank gierig aus der Leitung in großen Schlucken. Nach dem Tod meiner Großeltern habe ich dieses Buch zu mir genommen und ich verbinde es nicht nur mit dem meisterhaften Erzähler Aitmatow, sondern auch mit meinen Großeltern, an deren Haus mich die vollen Bücherregale immer besonders fasziniert haben.

Tschingis Aitmatow verehre ich sehr und nachdem ich bei Christel gelesen hatte, dass auch sie gerade diesen Autor für sich entdeckt,  verlangte es mich dringend, auch selbst wieder etwas von ihm zu lesen. Ein wenig Angst hatte ich, denn die Geschichten dieses kirgisischen Erzählers sind emotional so berührend, dass ich schon als Jugendliche oft beim Lesen von tiefer Trauer begleitet wurde und weinen musste. Dennoch aber sind sie nicht abgrundtief pessimistisch, sondern durchwirkt von der Liebe zum Leben, zur Natur und auch zu den Menschen, über die er schreibt. Zwar habe ich heute leider nicht mehr die Konzentration über mehrere Stunden hinweg nur zu lesen, dennoch bin sich voller Vorfreude auf die weiteren Bücher, die noch in meinem Regal auf mich warten.

 

***

Wenn ich heute die gestrige Zeichnung betrachte, dann denke ich, dass ich beim Zeichnen wohl gänzlich unbeabsichtigt von der oben erwähnten Erzählung Aitmatows beeinflusst wurde. Vielleicht steckt in dem Frauenwesen auch die Große Fischfrau, Urmutter der Sippe von Organ, Emrajin, Mylgun und Kirisk?

 

 

 

Der Luchs

20170714_LuchsBG
Junger Luchs, Zeichnung, A4 Skizzenbuch, Bleistift, Pastellkreiden, 14.07.2017

 

Zum Thema Luchs fällt mir sofort eines meiner liebsten Kinderbücher ein – Die rote Zora und ihre Bande. Ich habe das Buch wohl zwanzigmal – nein bestimmt noch öfter – gelesen; nur den Anfang habe manchmal überblättert. Zu bewegend, wie Kurt Held den Tod der Mutter, die Beerdigung und die Verlorenheit Brankos beschreibt. Ich habe jedes Mal Rotz und Wasser geheult und bekam eben, als ich das zerfledderte Buch in die Hand nahm und die ersten Sätze las, sofort einen Kloß im Hals.

Im zweiten Teil werden die Kinder von einem Luchs angegriffen, der sie als Nahrungskonkurrenten um seinen gerissenen Fasan betrachtet und werden nur in letzter Sekunde von einem wildernden Bauern gerettet, der sie in seine Hütte aufnimmt.

Schon allein dieser Geschichte wegen ist der Luchs für mich ein märchenhaftes Wesen, stark, schnell, schlau, aufmerksam. Und schön! Wunderschön!

Im Wildpark Schorfheide hatte ich das riesige Glück, einen Luchs ganz aus der Nähe zu betrachten. Sonst sind die Luchse dort weniger geneigt, sich von den neugierigen Parkgästen brav begaffen zu lassen.  Dieser Luchs war aber von der Fütterung des Rotwildes auf der anderen Wegseite so fasziniert, dass er sich gnädig von mir und anderen Besuchern ablichten ließ – bis er erhobenen Hauptes zurück ins dichte Laub entschwand.

 

 

Seht Euch doch mal die riesigen Pfoten dieses schönen Tieres an. Diese und die spitzen Ohren sind wohl die markantesten Luchsmerkmale.

 

Tagesklinik – ich und ich und ich

Nein, ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit in der Tagesklinik einfach würde. Es war mir von Beginn an bewusst, dass diese Therapiezeit harte, kräftezehrende Schwerstarbeit werden würde.

Der rationale Teil in mir, das theoretisch denkende, analysierende, abwägende und wissende Hirn, versteht das und wundert sich keineswegs, dass mich die Tagesklinik derart erschöpft, dass ich mir zum Ende dieser Woche wie eine leere Hülle vorkam. Freitag, nach Therapieende, war ich mir nicht einmal sicher, ob ich den Weg von der Straßenbahn nach Hause bewältigen würde.

Kaum schaffte ich es die letzten Tage, abends einige Zeilen zu lesen. Der Computer blieb aus: Selbst kürzeste Blogartikel zu lesen schienen mir intellektuelle Überforderung. Das Klicken mit der Computermaus, um einzelne Blogbeiträge bei WordPress zu öffnen, wäre mir ein nicht zu überwältigender Kraftakt gewesen. Nicht mal eine simple Buchverlängerung in der öffentlichen Bibliothek – drei Klicks im Internet – konnte ich bewerkstelligen. Die Mahnkosten drohten Tauben Ohren. 

Der rationale Teil in mir zuckt mit den Schultern. Na klar, sagt mein Hirn-Ich, Therapie ist Arbeit, sicher bist Du müde davon. Denke an die erste Zeit in der Klinik. Da war es auch besonders schwer, mit der Zeit wurde es immer leichter. Verwunderlich wäre einzig, wenn Dich die Tagesklinik nicht erschöpfen würde. Dann würde sich nämlich in Dir nichts bewegen. Halte durch, mach weiter, warte ab. In einigen Tagen oder Wochen wird es leichter.

Das depressive Ich, das sich gern selbst beschimpft und bestraft, hebt dagegen den Zeigefinger. Siehst Du, flüstert es, Du schaffst es nicht, Du bist zu schwach, Du wirst es niemals schaffen. Du wirst Dein Leben lang von Depressionswelle zu Depressionswelle wanken, was auch im Du tust. Das depressive Ich schreit nach seinem Schneckenhaus, im dem es sich bin zu seinem Lebensende fern von aller Welt verkriechen möchte.

Das optimistische Ich will an Besserung glauben, erinnert das depressive Ich an seine leutselige Zwillingsschwester, die bunte Farben mag und gerne lauthals lacht. Die hat sich dieser Tasge zurückgezogen, hat der schwachen Kranken stillen Schwester den Raum gegeben, den diese offensichtlich braucht.

Das ungeduldige Ich will sofort Erfolge sehen. Wozu denn die ganze Anstrengung, wenn nicht endlich Belognung folgt.

Doch das rationale Verstandes-Ich weiß: Geduld, Geduld, Geduld. Weitermachen. Wer nicht an den Erfolg glaubt, wird unweigerlich scheitern.
Diese Woche sprachen wir in der Klinik davon: nicht nur wir Betroffenen sind ungeduldig, warum sich die Heilung nicht endlich nach ein paar Wochen (Monaten) Therapie einstellt. Oft fühlen sie sich auch vor Verwandten, Freunden und Bekannten unter Erfolgsdruck, die nicht lange Geduld für Trüblesigkeit und grauen Pessimismus haben. Allerortens wird heutzutage über Depression gesprochen. Aber dass die Heilung lang, sehr lang dauert –  mindestens einige Monate, wenn nicht gar Jahre, wird seltener erwähnt.

Unsere Gruppentherapeutin erinnerte uns an ein schönes Gleichnis:

Wer abnehmen und Muskeln aufbauen will, erwartet auch nicht nach ein paar Tagen Training, dass nun alles gut ist. Anfangs ist der Erfolg vielleicht gar nicht sichtbar. Lang anhaltendes geduldiges regelmäßiges Training sind notwendig. Bei manchen Menschen geht es leichter, bei manchen aber stellen sich die positiven Effekte nur sehr zögerlich ein. Manche dürfen nie mit dem Training aufhören, wollen sie Figur und Gewicht halten.
Wohldenn, auf in eine neue Trainingswoche!

 

in der blogwelt versunken

zunächst: an alle, die ihr gelesen und mir geschrieben habt, vielen dank!

anteilnahme, so fade und abgedroschen es auch klingen mag, ist balsam und hilft tatsächlich.

und es hilft immens, die blöde dunkelheit und angst ins netz zu schreien! davor hat die angst offenbar große angst, sie schämt sich und fühlt sich der lächerlichkeit preisgegeben.

an alle, die sich sorgen machen sollte, ich bin in medikamentöser behandlung und in psychotherapie. auch wenn das thema suizid eines ist, über das ich mir gedanken mache – ich habe nicht vor, mir das leben zu nehmen. ich habe zwei kinder für die allein sich das aufstehen immer wieder lohnt, für die zu kämpfen und immer wieder aufzustehen ich als meine pflicht empfinde (und ich bin zu pflichtbewusstsein und verantwortungsgefühl erzogen) — so schwer es auch sein mag, so erschöpfend es ist.

 

apropos erschöpfend:

wie viel zeit verbringt ihr denn mit euren eigenen blogs, dem kommentieren und auch noch dem lesen der vielen anderen interessanten gedanken, die hier von so vielen von euch geschrieben sind.

GiTo (https://wordpress.com/read/feeds/43166648/posts/1117907096) hat recht: man schafft es gar nicht, sich alle blogs genauer anzuschauen.

und gerade ich, die ich ziemlich anfällig bin für EinSchlechtesGewissenHaben fühle mich mies, weil ich nicht alle interessanten texte ausreichend genau lesen kann, manches nur flüchtig überfliegen oder gar nicht kommentieren kann.

falls ich jemandes kommentar zu meinem blog übersehen und nicht angemessen beantwortet habe, bitte ich um entschuldigung. auch falls mir das in zukunft passieren sollte!

 

wie verbindet ihr eure zeit in der realen und der digitalen welt? wie schafft ihr den absprung aus dem netz zurück ins wahre leben. schafft ihr ihn überhaupt?

mir fällt das schwer. droht da eine sucht? ich habe mich bisher von sozialen netzwerken ferngehalten und bin da noch recht unbedarft und naiv.

 

wie haltet ihr das eigentlich mit dem impressum, dem distanzieren von fremden inhalten usw.?

als angstmensch habe ich horrorvisionen von dicken briefen von gierigen anwälten, die mich wegen irgendwelcher fehler teuer abmahnen.

 

über eure tipps und ratschläge dazu werde ich euch sehr sehr dankbar sein.

 

es grüßt euch herzlich

agnes p.