Der Luchs

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Junger Luchs, Zeichnung, A4 Skizzenbuch, Bleistift, Pastellkreiden, 14.07.2017

 

Zum Thema Luchs fällt mir sofort eines meiner liebsten Kinderbücher ein – Die rote Zora und ihre Bande. Ich habe das Buch wohl zwanzigmal – nein bestimmt noch öfter – gelesen; nur den Anfang habe manchmal überblättert. Zu bewegend, wie Kurt Held den Tod der Mutter, die Beerdigung und die Verlorenheit Brankos beschreibt. Ich habe jedes Mal Rotz und Wasser geheult und bekam eben, als ich das zerfledderte Buch in die Hand nahm und die ersten Sätze las, sofort einen Kloß im Hals.

Im zweiten Teil werden die Kinder von einem Luchs angegriffen, der sie als Nahrungskonkurrenten um seinen gerissenen Fasan betrachtet und werden nur in letzter Sekunde von einem wildernden Bauern gerettet, der sie in seine Hütte aufnimmt.

Schon allein dieser Geschichte wegen ist der Luchs für mich ein märchenhaftes Wesen, stark, schnell, schlau, aufmerksam. Und schön! Wunderschön!

Im Wildpark Schorfheide hatte ich das riesige Glück, einen Luchs ganz aus der Nähe zu betrachten. Sonst sind die Luchse dort weniger geneigt, sich von den neugierigen Parkgästen brav begaffen zu lassen.  Dieser Luchs war aber von der Fütterung des Rotwildes auf der anderen Wegseite so fasziniert, dass er sich gnädig von mir und anderen Besuchern ablichten ließ – bis er erhobenen Hauptes zurück ins dichte Laub entschwand.

 

 

Seht Euch doch mal die riesigen Pfoten dieses schönen Tieres an. Diese und die spitzen Ohren sind wohl die markantesten Luchsmerkmale.

 

Tagesklinik – ich und ich und ich

Nein, ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit in der Tagesklinik einfach würde. Es war mir von Beginn an bewusst, dass diese Therapiezeit harte, kräftezehrende Schwerstarbeit werden würde.

Der rationale Teil in mir, das theoretisch denkende, analysierende, abwägende und wissende Hirn, versteht das und wundert sich keineswegs, dass mich die Tagesklinik derart erschöpft, dass ich mir zum Ende dieser Woche wie eine leere Hülle vorkam. Freitag, nach Therapieende, war ich mir nicht einmal sicher, ob ich den Weg von der Straßenbahn nach Hause bewältigen würde.

Kaum schaffte ich es die letzten Tage, abends einige Zeilen zu lesen. Der Computer blieb aus: Selbst kürzeste Blogartikel zu lesen schienen mir intellektuelle Überforderung. Das Klicken mit der Computermaus, um einzelne Blogbeiträge bei WordPress zu öffnen, wäre mir ein nicht zu überwältigender Kraftakt gewesen. Nicht mal eine simple Buchverlängerung in der öffentlichen Bibliothek – drei Klicks im Internet – konnte ich bewerkstelligen. Die Mahnkosten drohten Tauben Ohren. 

Der rationale Teil in mir zuckt mit den Schultern. Na klar, sagt mein Hirn-Ich, Therapie ist Arbeit, sicher bist Du müde davon. Denke an die erste Zeit in der Klinik. Da war es auch besonders schwer, mit der Zeit wurde es immer leichter. Verwunderlich wäre einzig, wenn Dich die Tagesklinik nicht erschöpfen würde. Dann würde sich nämlich in Dir nichts bewegen. Halte durch, mach weiter, warte ab. In einigen Tagen oder Wochen wird es leichter.

Das depressive Ich, das sich gern selbst beschimpft und bestraft, hebt dagegen den Zeigefinger. Siehst Du, flüstert es, Du schaffst es nicht, Du bist zu schwach, Du wirst es niemals schaffen. Du wirst Dein Leben lang von Depressionswelle zu Depressionswelle wanken, was auch im Du tust. Das depressive Ich schreit nach seinem Schneckenhaus, im dem es sich bin zu seinem Lebensende fern von aller Welt verkriechen möchte.

Das optimistische Ich will an Besserung glauben, erinnert das depressive Ich an seine leutselige Zwillingsschwester, die bunte Farben mag und gerne lauthals lacht. Die hat sich dieser Tasge zurückgezogen, hat der schwachen Kranken stillen Schwester den Raum gegeben, den diese offensichtlich braucht.

Das ungeduldige Ich will sofort Erfolge sehen. Wozu denn die ganze Anstrengung, wenn nicht endlich Belognung folgt.

Doch das rationale Verstandes-Ich weiß: Geduld, Geduld, Geduld. Weitermachen. Wer nicht an den Erfolg glaubt, wird unweigerlich scheitern.
Diese Woche sprachen wir in der Klinik davon: nicht nur wir Betroffenen sind ungeduldig, warum sich die Heilung nicht endlich nach ein paar Wochen (Monaten) Therapie einstellt. Oft fühlen sie sich auch vor Verwandten, Freunden und Bekannten unter Erfolgsdruck, die nicht lange Geduld für Trüblesigkeit und grauen Pessimismus haben. Allerortens wird heutzutage über Depression gesprochen. Aber dass die Heilung lang, sehr lang dauert –  mindestens einige Monate, wenn nicht gar Jahre, wird seltener erwähnt.

Unsere Gruppentherapeutin erinnerte uns an ein schönes Gleichnis:

Wer abnehmen und Muskeln aufbauen will, erwartet auch nicht nach ein paar Tagen Training, dass nun alles gut ist. Anfangs ist der Erfolg vielleicht gar nicht sichtbar. Lang anhaltendes geduldiges regelmäßiges Training sind notwendig. Bei manchen Menschen geht es leichter, bei manchen aber stellen sich die positiven Effekte nur sehr zögerlich ein. Manche dürfen nie mit dem Training aufhören, wollen sie Figur und Gewicht halten.
Wohldenn, auf in eine neue Trainingswoche!

 

in der blogwelt versunken

zunächst: an alle, die ihr gelesen und mir geschrieben habt, vielen dank!

anteilnahme, so fade und abgedroschen es auch klingen mag, ist balsam und hilft tatsächlich.

und es hilft immens, die blöde dunkelheit und angst ins netz zu schreien! davor hat die angst offenbar große angst, sie schämt sich und fühlt sich der lächerlichkeit preisgegeben.

an alle, die sich sorgen machen sollte, ich bin in medikamentöser behandlung und in psychotherapie. auch wenn das thema suizid eines ist, über das ich mir gedanken mache – ich habe nicht vor, mir das leben zu nehmen. ich habe zwei kinder für die allein sich das aufstehen immer wieder lohnt, für die zu kämpfen und immer wieder aufzustehen ich als meine pflicht empfinde (und ich bin zu pflichtbewusstsein und verantwortungsgefühl erzogen) — so schwer es auch sein mag, so erschöpfend es ist.

 

apropos erschöpfend:

wie viel zeit verbringt ihr denn mit euren eigenen blogs, dem kommentieren und auch noch dem lesen der vielen anderen interessanten gedanken, die hier von so vielen von euch geschrieben sind.

GiTo (https://wordpress.com/read/feeds/43166648/posts/1117907096) hat recht: man schafft es gar nicht, sich alle blogs genauer anzuschauen.

und gerade ich, die ich ziemlich anfällig bin für EinSchlechtesGewissenHaben fühle mich mies, weil ich nicht alle interessanten texte ausreichend genau lesen kann, manches nur flüchtig überfliegen oder gar nicht kommentieren kann.

falls ich jemandes kommentar zu meinem blog übersehen und nicht angemessen beantwortet habe, bitte ich um entschuldigung. auch falls mir das in zukunft passieren sollte!

 

wie verbindet ihr eure zeit in der realen und der digitalen welt? wie schafft ihr den absprung aus dem netz zurück ins wahre leben. schafft ihr ihn überhaupt?

mir fällt das schwer. droht da eine sucht? ich habe mich bisher von sozialen netzwerken ferngehalten und bin da noch recht unbedarft und naiv.

 

wie haltet ihr das eigentlich mit dem impressum, dem distanzieren von fremden inhalten usw.?

als angstmensch habe ich horrorvisionen von dicken briefen von gierigen anwälten, die mich wegen irgendwelcher fehler teuer abmahnen.

 

über eure tipps und ratschläge dazu werde ich euch sehr sehr dankbar sein.

 

es grüßt euch herzlich

agnes p.