Der graue Wolf

 

Dieses Bild liegt mir besonders am Herzen und ich habe es einem mir sehr liebem und wunderbaren Menschen geschenkt. Passend zum Motiv ist das Bild eine Übermalung, die ebenfalls eine Übermittlung war – das Bild „Hoffnung“ hatte ich Euch vor einigen Monaten bereits gezeigt. Es mit dem Antlitz eines grauen Wolfes zu übermalen, erschein mir die mir einzig angemessene Weiterbearbeitung.

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Nörgelheini, Rohrstocklehrer und der gute Wolf

 

Eine Kollegin in der Ergotherapiepraxis hat mich heute darin unterstützt, ein Anschreiben vorzubereiten, mit dem ich einen passenden Platz für mein großformatiges Bild vom Steppenwolf suche.

Widerstreitende Gefühle – einerseits denke ich, dass mein Bild nicht gut genug ist, dass es niemand haben will, dass ich mich damit blamiere (ja, entgegen anderslautender Kritik!; denn – wie es viele von Euch auch aus eigener Erfahrung kennen – ich vergleiche mich ausschließlich mit denen, die etwas viel besser können als ich, damit ich dann schön demütig das Haupt senken und mich klein fühlen kann. Es ist eben ein langer langer langer Prozess, den ich beschreite, aber es geht eben nur stufenweise und der gestrenge Lehrer mit dem Rohrstock feixt).

Der Anstoß, dass ich mich doch getraut habe, potentielle InteressentInnen anzuschreiben, lag letztenendes darin, dass mein Bild in der Praxis natürlich Platz wegnimmt, was mir wiederum ein schlechtes Gewissen macht (ich sollte mich schämen, so viel Raum einzunehmen!, greint der innere Nörgelheini).

Nörgelheini gegen Rohrstocklehrer – das war ein Gefecht, puh! Nun sind aber ein paar E-Mails verschickt und beide innere Kritiker sind erschöpft und halten mal die große Klappe.

 

Hier nochmal die Bilder vom Steppenwolf und auch vom Fliegen, für das ich auch ein Asyl suchen will. Für den Fall, dass Ihr Interesse habt bzw. wüsstet, wer es wollen könnte, dann am besten E-Mail an i_udelnow at hotmail . com . Das ist die Adresse, die ich am häufigsten abfrage.

 

 

Steppenwolf

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Steppenwolf, Öl auf Leinwand, 30*40 cm, Sommer 2017

 

Dieses kleine Ölbild hatte ich zu Hause parallel zum großen Wolfs-Gemälde gemalt, dann hing es lange unfertig an meiner Wand. Dinge abzuschließen ist für mich schließlich nicht ganz einfach – da bin ich wohl ganz gewiss eine unter vielen, denen es ähnlich geht. Am Mittwoch habe ich das Bild endlich mit in die Ergotherapiepraxis genommen, um eine letzte dünne Lasur auf die Berge aufzulegen. Jetzt, auf dem Foto am großen Monitor, sehe ich, dass eventuell auch der Himmel noch eine dünne Farbschicht vertragen könnte.

Übrigens hat Nadia Baumgart heute schon ein ganz wundervolles Aquarell mit zwei Wölfen und einen kleinen Text zu den Wölfen im Bayerischen Wald geschrieben. Den Beitrag lege ich Eich unbedingt ans Herz: >> KLICK <<

Steppenwolf sucht Asyl

 

 

Seit Juli werkele ich ja im Offenen Atelier der Ergotherapie an dem großen Bild vom einsamen Wolf in der Steppe. Mit Unterbrechungen – Urlaub, Infekte, Vorbereitungen für die „Ausstellung“, von ich statt zu malen meine Bilder sortierte, rahmte und aufhängte.

Anfangs benutzte ich die Gouache-Farben, die es in der Ergotherapiepraxis zur freien Verfügung gibt. Die sind ja wasservermalbar und wasserlöslich, zudem nicht vollständig deckend. Bei zu vielen Schichten übereinander reißt außerdem die Farbe auf. Das sind jedenfalls die Erfahrungen, die ich in der Ergotherapie gemacht haben, wo ich diese Gouachefarben übrigens erstmals benutzte. Kurz gesprochen: ich hatte wenig Ahnung, mit welchem Material ich da arbeitete.

Ich arbeite gern intuitiv, spontan und nach Laune. Da erweisen sich Gouachefarben manchmal als schwierig – wenn sich zum Beispiel Fehler bei der Formung des Wolfskörpers und andere kleine Änderungen der Haltung usw. nicht mehr vollständig korrigieren lassen, sondern immer wieder durchschimmern. Oder wenn eine Blauübermalung eines ehemals gelben Hintergrunds plötzlich grün leuchtet, weil sich beide lösbaren Farben miteinander vermischt haben. Grün hat aber, meinem Empfinden nach, in diesem Bild absolut nichts zu suchen. Also ging ich wieder mit anderen Farben über das schauderhafte Grün und eine besonders schlechte Stimmung ließ mich dem Wolf außerdem einen orkanartigen Sturm entgegen schleudern, was das Bild so schrecklich unruhig machte, dass es mir auch wieder missfiel.

Also entschied ich mich, meine Ölfarben von zu Hause mitzubringen und trug eine sehr dünne Farbschicht (Ölfarbe mit Leinöl gemischt) über den Gouache-Untergrund auf. Den Naturgesetzen sei dank vermischten sich Wasser- und Ölfarben tatsächlich nicht und selbst die dünne Ölschicht deckte an den gewünschten Stellen in ausreichendem Maße. Langsam entwickelt sich das Bild in eine Richtung, mit der ich zufrieden bin.

Morgen habe ich wieder Ergotherapietermin und ich werde vielleicht noch ein paar korrigierende Striche zufügen, den Wolfsbauch minimal abdunkeln, um ihm mehr Tiefe zu geben usw.

Dann aber will ich das Bild wieder ein paar Wochen „ruhen“ lassen und später mit Abstand entscheiden, ob es „fertig“ ist.

 

Langsam wird es an der Zeit darüber nachzudenken, wo das bestimmt knapp zwei Meter breite Bild denn dann hängen soll. Ich habe zu Hause keinen Platz dafür. Ihr gewiss auch nicht, um Wolfsasyl anzubieten. Ob irgendein gemeinnütziger Verein Platz für eine Bildleihgabe hätte? Es wäre mir natürlich lieb, wenn das Bild irgendwo hängen könnte , aber das garstige Teufelchen in mir macht mich ganz unsicher („Wer wird sich so etwas freiwillig irgendwo hinhängen?!? Dazu ist es wirklich nicht gut genug“). Was meint Ihr?

 

Fernweh – Die Blauen Berge

 

Die Blauen Berge
Die Blauen Berge, Öl auf Leinwand, 70*50 cm, 2016/2017

 

 

Ich sehne mich nach hohen kargen schroffen Bergen, Felsen und Gestein.

Kein Mensch, nirgends.

Im echten Leben so weit zu reisen ist momentan nicht möglich. Aber in meinen Träumen und mit dem Pinsel in der Hand hält mich hier nichts fest.

Ich will ganz nach oben auf die Bergkuppe und in die Ferne blicken. Berge sollen um mich sein, Berge und Schnee. Sonst: nichts.

 

 

Fliegen

 

Inzwischen ist es so, dass es für mich nicht mehr ganz so anstrengend ist, in den Räumen der Ergotherapiepraxis zu sein. Ich bin zweimal wöchentlich dort, jeweils zur selben Zeit und meist in Anwesenheit eines mir inzwischen bekannten (wenn auch nicht vertrauten) PatientInnen- und TherapeutInnenkreises.

 

Ich komme zur festgelegten Zeit, weiß inzwischen, wo die Materialien sind und ich bekomme meist ungefragt Hilfe beim Aufbau von Staffelei und Leinwand angeboten. Gelegenheit zum Training von Kommunikation ist dennoch. Psychische Krankheit geht ja nicht bei allen PatientInnen mit Schweigsamkeit einher. Ich wundere mich manchmal, welches Redebedürfnis die anderen KlientInnen der Praxis haben. Das ist auch eine Strategie in der Krankheitsbewältigung. Auf Smalltalk kann ich mich nicht einlassen und ich erzähle auch nichts von mir, aber meine Bilder laden MitpatientInnen zu regelmäßigen Fragen ein: warum dieses Motiv, warum die Farbe, ist das ein Selbstporträt, ein Spiegel, ein Wunschtraum? Inzwischen bringt mich das immerhin nicht mehr so ins Schleudern und ich ducke mich nicht mehr vor Angst, angesprochen werden zu können.

 

Das erste große Bild ist fertig. Ich habe es nicht abgemessen, aber es dürfte vielleicht zwei Meter breit sein. Damit ist es entschieden zu groß, um bei mir zu Hause Platz zu finden. Für mich schmeichelhafterweise freuen sich die Mitarbeiter der Praxis, mein Bild als Dauerleihgabe zu behalten und an prominenter Stelle – im regelmäßig frequentierten Durchgang und Raucherraum – aufzuhängen.

Für einen richtigen, endgültigen Titel konnte ich mich noch nicht entscheiden, „Fliegen“ ist die vorläufige Version.

 

 

 

Nun arbeite ich an einem weiteren großen Bild und ich bin so ergriffen vom Thema Wolf, dass für mich kein anderes Motiv in Frage kommt als ein einsamer Wolf in den Weiten der Steppe – – – was zugegebenermaßen reichlich Gelegenheit für Projektionen und Deutungen gibt.

Die Rohversion zeige ich hier schon einmal.

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Was das angesprochene Thema der „Ausstellung“ betrifft – ich setze das Wort bewusst in Gänsefüßchen, denn es ist nicht so hochtrabend „wichtig“, wie es klingt (fast komme ich mir vor wie eine Hochstaplerin):

Am 18. August wird das zweijährige Jubiläum der Praxis mit einem Tag der Offenen Tür gefeiert. In diesem Rahmen werden öffentlich Arbeiten gezeigt, die in der Ergotherapiepraxis entstanden sind. Ich darf und werde meine beiden großen Bilder zeigen, aber auch zu Hause entstandene Ölbilder und einige der Zeichnungen, die ich in der Klinik als Überlebensstrategie gezeichnet habe.

Ich kann Euch auch die vielen interessanten Werke der anderen ans Herz legen. In der Praxis tummeln sich hoch kreative und ausdrucksstarke Menschen. Falls jemand von den Ortsansässigen Interesse hat, beschreibe ich noch einmal, wann und wo genau Fest und „Ausstellung“ stattfinden werden.

Ein paar der Bilder hängen seit Freitag:

20170721_Bilder

 

 

 

 

Ölgemälde: Weggefährten

Meine zeichnerische Auseinandersetzung mit dem Thema Raben (siehe gestriger Beitrag) mündete heute darin, dass ich dieses Ölgemälde um diese fliegenden schwarzen Vögel ergänzte. Nun ist es – vorerst – fertig und trocknet.

Vielleicht ist es im August mal für einige Stunden öffentlich zu sehen. Aber darüber schreibe ich eines anderen Abends.

 

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Weggefährten, Öl auf Leinwand, 40*50 cm, Juli 2017