Septemberabend

 

Freitagabend. Die Septembersonne steht tief; taucht die Stadt in goldenes Licht. Wer kann, ist unterwegs und tankt die letzten Strahlen. Wohl denen, die innehalten können und den Moment genießen, während der Mond weise und geheimnisvoll über den Häusern steht.

 

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Layered

 

 

Woche für Woche sprayen KünstlerInnen aus aller Welt hier am Mauerpark ihre Motive. Zu meiner Freude sind es immer öfter auch Frauen, die ihre Bilder in den öffentlichen Raum tragen.

Streetart ist kurzlebig. Schicht für Schicht werden alte durch neue Motive übermalt und so entsteht mit der Zeit eine dicke Lackschicht, die sich in großen Flatschen von der Mauer löst.

Die hier gezeigten Fotos warten seit ein paar Wochen auf den geeigneten Moment zur Veröffentlichung. Als ich das aktuelle Motto der PHOTO CHALLENGE auf The Daily Post sah – Layered – konnte ich gar nicht anders, als die Bilder nun endlich und in diesem Rahmen zu zeigen.

https://dailypost.wordpress.com/photo-challenges/layered/

 

 

 

Die Gärten der Nachbarn

 

Am Dienstag zeigte ich Euch, was mir meine Wohnstraße so liebenswert macht und nahm Euch mit auf einen kleinen blumigen Nachbarschaftspaziergang.

Noch viel schöner fast ist meine Nachbarstraße, die breiter und damit viel heller, aber als Sackgasse genauso ruhig ist. Der Anblick der vielen Blumenkübel, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgestellt und bepflanzt werden, lässt mich vergessen, dass ich Stadt eigentlich gar nicht mag. Sogar die abgeblühten Pflanzen und die Wildkräuter sehen reizend aus.

 

Idyllisch, oder?

Das finden leider nicht nur wir Bewohner, sondern auch so mancher auch berüchtigter Investor wittert und findet ein gutes Geschäft. Drastische Mieterhöhungen, Umwandlung von Miet- in Wohneigentum und Verdrängung der alten Mieter (die natürlich längst nicht mehr jene sind, die hier im ehemaligen Grenz- und Sperrgebiet bis zu Wende lebten, aber das ist noch ein ganz anderes Thema) bleiben auch hier nicht aus. Wenn die Bebauung der eigentlich als Mauerparkerweiterung vorgesehenen Großbaustelle des Investors Groth Gruppe abgeschlossen ist, wird das kaum zu einer Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes führen, sondern wohl vielmehr zu einer Anpassung der Mieten weiter nach oben.

Nicht alle nehmen die gewollte Verdrängung und Privatisierung wortlos hin. Jene von Euch, die es interessiert, kann ich die Unterstützung eines Langzeitfilmprojektes sehr ans Herz legen, das den (manchmal leider auch erfolglosen) Widerstand von Menschen im Berliner Prenzlauer Berg gegen Verdrängung, Privatisierung und Luxusbebauung dokumentiert. Es geht unter anderem auch um die Initiative 100 % Mauerpark, die sich sehr engagiert aber leider vergeblich gegen das Großbauprojekt der Groth Gruppe einsetzte, aber auch um den Kampf David gegen Goliath einer inzwischen ehemaligen Hausgemeinschaft gegen einen mit allen Wassern gewaschenen geschäftstüchtigen Investor in meiner direkten Nachbarschaft.

Zur Homepage des Filmprojektes geht es hier.

Es gibt dort bereits einen Filmausschnitt zu sehen. Leider fehlen, wie dort auch zu lesen ist,  für die Weiterführung des Projektes gerade die finanziellen Mittel. Vielleicht hat ja die eine oder der andere von Euch Interesse und Möglichkeit zur sicher lohnenswerten Unterstützung.

 

Den unaufhaltsamen Fortschritt der Bauarbeiten der Groth Gruppe am Mauerpark dokumentiere ich jeweils am letzten Sonntag im Monat im Rahmen von Zeilenendes Foto-Jahresprojekt.

 

Ein blumiger Spaziergang durch meine kurze Straße

Wer schön länger bei mir liest, weiß, dass ich elf Wochen lang jeweils sonntags einen Blick in das Kübelbeet geworfen habe, das eine Straßennachbarin hier auf dem Fußweg angelegt hat.

Der Link zu den Beiträgen hier.

Der Rhabarber dort dient nicht dem kulinarischen, sondern dem visuellen Genuss der Passanten. Daher ist die Blüte inzwischen mannshoch geschossen und der Blütenstengel selbst hat Blätter bekommen. Dass eine Rhabarberblüte so lange unbeeinträchtigt stehen durfte, habe ich noch nie beobachten dürfen und so bin ich gespannt, wie sich die pflanzlichen Dinge hier weiter entwickeln.

Ansonsten gibt es Erdbeeren (die aber hoffentlich genascht werden, es täte mir weh, sie gammeln zu sehen ;-)), Hyazinthen, Tulpen, einen Rosenstock, der bereits Knospen zeigt und ach, noch vieles mehr. Es versteht sich, dass hier auch der hübsche Löwenzahn stehen bleiben und seinen Pustesamen verbreiten darf.

Die Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben offensichtlich ebenfalls einen kulanten Hausbesitzer und haben letzten Monat kübeltechnisch aufgerüstet. Mal sehen, was hier noch so alles wachsen wird.

Ein anderer Nachbar hat sich ein eigenes kleines Blumenreich geschaffen. Wenn man schon dunkel und kalt im Erdgeschoss lebt, dann darf man, finde ich, auch die Freuden eines quasi-Gartens vor der Haustür nutzen. Hier sitzt er an lauen Sommernächten bei Bier und Schlager. Das trifft zwar nicht meinen Musikgeschmack, tut der Idylle aber trotzdem keinen Abbruch.

In einem späteren Beitrag zeige ich Euch die Blumentöpfe der Nachbarstraße. Dort ist es nämlich noch viel bunter, haben sie noch auch einen doppelt so großen Bürgersteig zur Verfügung – so die Hausbesitzer Toleranz wahren und nicht auf Hochprofit aus sind. Das ist nämlich ein ganz anderes und absolut nicht blumigeres Thema.

Mut am Sonntag

 

Auch diese Woche kann ich stolz auf meine „Leistung“ am Sonntag sein. Wieso setze ich das Wort „Leistung“ in Anführungsstriche? Es ist, vor dem Hintergrund der Schwere des depressiven und phobischen Schubs, den ich hinter mir habe, schon eine riesige Leistung, sonntags durch den vollen Mauerpark zu laufen. Ich gehe anonym in der Masse unter, ja, das hilft mir. Dass mein Freund dabei ist, hilft mir auch. Aber ich habe ja keine Tarnkappe auf und es ist schon eine ganze Menge Input – für die Augen, Ohren und auch den Geruchssinn -, den die Besucher des Berliner Mauerparks verarbeiten müssen.

Je sonniger die Sonntage, desto voller ist der Park. Seht selbst! Ich habe der Bildergalerie noch zwei Aufnahmen vom vergangenen Sonntag eingefügt. Da wurde ich für meinen Spaziergang nämlich durch die Musik einer besonderen Straßenmusikerin belohnt: Alice Phoebe Lou. Vielleicht hat ja die eine oder der andere schon einmal von ihr gehört.

Diesen Sonntag begleitete ich meinen Freund außerdem kurz in die Wohnung eines Freundes von ihm. Darauf bin ich besonders stolz. Ich habe mich dort zwar eher an den beiden tollen Hunden „festgehalten“, aber einige Sätze sind doch über meine Lippen gekommen. Wow!

Außerdem ein Spaziergang durch die Oderberger Straße, die vor Touristen fast bersten wollte. Ich kann es ihnen nicht verdenken, denn die Straße ist gerade im Frühling und im Sommer besonders schön. Ein Blumenkübel reiht sich an das nächste Beet; die Mehrzahl ist wohl von Café- und Restaurantbetreibern angelegt, die natürlich an einer hübschen Gestaltung der Straße ein sehr leibliches Interesse haben.

Als Schlusswort ein Beispiel dafür, wie ich positives Denken trainiere: Letzten Montagmorgen bin ich erneut durch den Park gelaufen und wollte sehen, wie sehr er durch das bunte Treiben in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Morgen war kühl und grau. Dort, wo gestern noch die Bands spielten, machten heute ein paar Mütter ihre Rückbildungsgymnastik. Am Rande saß ein Obdachloser, noch in seinem Schlafsack gewickelt. Die Flaschensammler waren wohl in der Nacht noch umhergegangen, denn Pfandflaschen lagen keine mehr herum. Und ja, die Wiese war vermüllt, aber nicht so schlimm, wie ich es befürchtet hatte. Von den vielen tausend Besuchern hat die überwiegende Mehrzahl ihren Müll mitgenommen. Das ist doch ein gutes Zeichen, oder?

 

Rhabarber und Hyazinthe 9

Der Blick in die Kübelbeete vor dem Nachbarhaus ließ mich staunen: die Rhabarberpflanze, die offensichtlich „nur“ zur Zierde dient, schießt schon in die Blüte. Fast kann man der Knospe beim Wachsen zusehen.

Die Hyazinthe blüht noch immer und auch die Narzissen leuchten nun mit ihren gelben Blüten. Im Nachbarkasten zieht eine wunderschöne und tiefrote Ranunkel die Blicke auf sich.

Ich habe inzwischen vor meinem dunklen Hinterhausfenster Zuckererbsen ausgelegt und bin gespannt, ob Licht und Wärme zum Keimen und Wachsen ausreichen. Vor unserem Haus, auf der bisher als Hundeklo und Müllplatz benutzten Baumscheibe, habe ich inzwischen ein paar Stiefmütterchen gepflanzt und hoffe auf baldige Ableger aus dem elterlichen Garten, um sie dazuzusetzen. Offensichtlich diente mein Beispiel als Anregung: eine weitere Baumscheibe ist mit Komposterde bedeckt. Mal sehen, was die Nachbarn hier so einbuddeln.

Die Bilder können durch einen simplen Klick vergrößert werden.

 

 

Hier die früheren Beiträge. Besonders eindrucksvoll ist der Vergleich mit den ersten Aufnahmen vor neun Wochen.

Rhabarber und Hyazinthe 1

Rhabarber und Hyazinthe 2

Rhabarber und Hyazinthe 3

Rhabarber und Hyazinthe 4

Rhabarber und Hyazinthe 5

Rhabarber und Hyazinthe 6

Rhabarber und Hyazinthe 7

Rhabarber und Hyazinthe 8