S-Bahn-Skizzen (23) – Kaschieren

 

Zeichne ich mit Tinte statt mit Bleistift, gibt es bei angeblichen „falschen“ Strichen öfter als angenommen irgend eine kreative Möglichkeit, den „Fehler“ zu kaschieren. An die „Realität“ – die ohnehin eine Frage der Wahrnehmung und Interpretation ist, fühle ich mich da mitnichten gebunden.

 

 

So zum Beispiel gestern in Schöneberg an einer U-Bahnstation der U7: Die Ankunft der Bahn verzögerte sich aufgrund eines Polizeieinsatzes an der Strecke und während des Wartens begann ich den Herren auf der Bank schräg hinter mir zu zeichnen. Allerdings hielt seinen Kopf nicht still, so dass ich mich beim Zeichnen des Gesichtes in der Perspektive vertat.  So verwandelte sich der Herr in meinen Augen und bekam einen Rauschebart, wie der Obdachlose, der Minuten vorher neben mir auf der Bank saß und wie ein weiterer wohnungsloser Mann, den ich in der Ferne auf dem Bahnsteig sah.

Später in der U-Bahn habe ich einige Minuten lang Gelegenheit, ihn aus einer anderen Perspektive zu zeichnen – bis die U-Bahn so voll wird, dass die Stehenden den Mann verdecken und ich ihn aus den Augen verliere. Nach weiteren zwei Stationen ist ohnehin keine Gelegenheit mehr zum Zeichnen. Es ist inzwischen so voll, dass ich das Skizzenbuch eng an mich pressen muss, um genügend Raum zu Stehen zu haben.

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S-Bahn-Skizzen (22) Farbe

 

Seit heute gibt es ein neues Skizzenbuch für die S-Bahn-Skizzen.  Das Papier ist dicker, Aquarellpapier, das Buch ist ein bisschen größer als das vorherige und ein bisschen schwerer. Gewissermaßen auch etwas unhandlicher und es passt nicht in die Tasche, die ich mir extra für meine Skizzenbücher samt Stiften für unterwegs gehäkelt habe.

Heute Abend hat mich der Teufel geritten und ich hatte Lust auf Farbe. Also bin  ich über die letzten beiden Skizzen des alten Buches mit Aquarellfarben gegangen. Ebenso über die ersten Bleistiftzeichnungen im neuen Buch.

 

 

Mit der Farbe lässt es sich auch leicht etwas übertreiben. Das Dosieren will noch geübt werden. Bei der nachfolgend gezeigten Zeichnung war mit mir der Pinsel durchgegangen. Sodann übermalte ich die Gesichter mit Akrylstiften, und wieder, und wieder und so sitzen dann eher zwei Zombies in der S-Bahn, die man ja doch aber morgens öfter sieht. Dazu passt dann auch der Spruch, den ich zeichnenderweise aufschnappte und unten auf das Blatt kritzelte.

 

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S-Bahn-Skizzen (18)

 

Heute haben in der S-Bahn bzw. später in der U-Bahn gleich zwei Menschen ihren Laptop aufgeklappt. Das sehe ich auch nicht allzu häufig. Eine Skizze hierzu gibt es nicht, nur eine alte Zeichnung aus dem Dezember einer jungen Frau mit i-Pad. Auch die beiden anderen Skizzen sind aus dem Vormonat. Die heutigen Bilder einzuscannen bin ich zu faul. Als Zugabe für alle, die vergessen haben, dass auch im Winter mal die Sonne scheinen kann, noch eine kleine Selfie-Spielerei vom Montag.

 

 

Atmen heute

 

Ergotherapie Theater: heute Vertretung bei mir unbekannter Therapeutin, verspäteter Beginn, mir neue Mitpatienten, zwei niegelnagelneue Praktikantinnen noch obendrein; und außerdem nur das kleine Nähatelier als Übungsraum. Für mich eigentlich Grund zum Weglaufen. Wenigstens hatte ich mein kleines Skizzenbuch zum Festhalten.

Eines immerhin habe ich heute gelernt: ich bin mir sicher nun, immun gegen gegen die Droge Tabak zu bleiben. Ein etwa 20 Quadratmeter großer Raum, 9 atmende Menschen, davon 6 starke Raucher, die zwar alle 45 Minuten draußen inhalierten, aber drinnen weiter ausatmeten und sprachen. Tür und Fenster öffnen bringt nur Kälte, keine saubere Atemluft. Unfassbar scheint mir, dass ich mich jahrelang freiwillig diesem Gift aussetzte.

 

S-Bahnskizzen (17)

 

Selten sind auch sie geworden – jene, die in der Bahn sitzen und in einem Buch lesen. Aber auch sie gibt es noch, so wie diese Dame, die in den Tagen vor Weihnachten neben mir in der S.Bahn saß.

 

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Frau mit Buch, Skizzenbuch A5, Bleistift, 21.12.2017

Der Riesenkohlrabi als Muse

 

Im Dezember bekam ich zwei riesige Brocken Gemüse geschenkt – jemandes eigene Ernte. Als Kohlrabi hätte ich die Riesenklumpen nie erkannt – Kohlkopfgroß, der größere drei Kilogramm schwer.

Den ersten vertilgte ich sofort – eine Hälfte geraspelt mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer, die andere in der Suppe. Schließlich bin ich bekennende Salat- und Suppenkasperine.

Der größere Kohl musste zunächst bleiben, eine Weile angesehen werden, bestaunt und erst zeichnerisch verarbeitet werden, bevor er meinen Magen füllen durfte.

 

S-Bahnskizzen (16)

 

Langsam, gemächlich, kehre ich zurück aus meiner Blogpause. Das Jahr beginne ich vorsichtig optimistisch. Klingt 2018 nicht irgendwie nach Aufbruch?

Gut gelaunt gestimmt hat mich auch, dass mir gestern in der U-Bahn ein Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Spezies gegenüber saß – ein echter Zeitungsleser, der interessiert die taz studierte. Drum möchte ich mein Blogjahr 2018 mit dieser S-Bahn-Skizze eröffnen.

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