Turmfalke in der Stadt

 

Heute am Morgen – lautes Kreischen und hektisches Flügelschlagen durchdringt meinen Hinterhof. Aufgeregte Elstern schimpfen. Etwas großes Dunkles landet im Hof.

Ich traue meinen Augen nicht: es ist ein Turmfalke! Mitten in der Großstadt, auf meinem Hof, gerade einmal zehn Meter von mir entfernt.

Zuerst sah ich es nicht, doch dann bewegte es sich – unter des Falken Krallen: ein Beutetier, es lebte noch, zuckte mit dem Kopf.

Ich habe Fotos gemacht; sie sind gestochen scharf und doch kann ich sie hier nicht zeigen, auch wenn sie für Naturfreunde vielleicht von Interesse wären. Jedoch … ich ertrage den Anblick nicht in Großaufnahme – nicht des imposanten Jägers wegen, sondern weil mich vor dem gejagten Tier arg gruselt.

Wer mich kennt, weiß, dass ich allen Lebewesen ihr Lebensrecht auf dieser Welt einräume und keinem Tier und keinem Menschen nur ein Härchen krümmen möchte. Es gibt nur ein einziges Tier, das in mir Angst, Furcht, Ekel, ja nachts sogar Alpträume auslöst und das da nun auf meinem Hof vor meinem Fenster und gut sichtbar als Falkenfutter sein Leben aushauchte. Wenn sie auf dem Fußweg im Weg sitzen, wechsele ich die Straßenseite. Wo das nicht möglich ist, nehme ich einen langen Umweg in Kauf. Komme im schlimmsten Fall zu wichtigem Termin zu spät. Einige von Euch finden diese Tiere schön (eine Mitbloggerin hat oder hatte dieses Tier zu meinem Riesenschrecken sogar auf ihrer Startseite); früher dienten sie der Nachrichtenübermittlung, ihre weiße harmlose Form ist Symbol für den Frieden (und das macht mir dann ein schlechtes Gewissen, dass mich Friedenst. ekeln). Manche züchten sie; es gibt in Städten sogar Projekte, sie zu schützen. Ich hingegen kann nicht einmal den Namen des Tieres aussprechen, gar aufschreiben, denn dann sehe es es sofort vor meinem geistigen Auge und bekäme riesige Herpesblasen, wäre ich dafür anfällig!

Fragt mich nicht warum. Ich weiß es nicht. Dieses Grauen ist Argumenten absolut nicht zugänglich.

Der Turmfalke saß, während ich mit Ekel, Neugier, Angst und Abscheu kämpfte, still; das Beutetier hauchte derweil sein Leben aus. Ich streichelte beruhigend meine Katzen, die das Schauspiel ebenfalls höchst interessiert beobachteten. Die Elstern, in sicherem Abstand auf unserem Haselnussbussbaum, schimpften weiter.

Plötzlich flatterte der große Greif, erhob sich und schleppte seine inzwischen leblose Beute einen Meter hinauf, auf die Papiermülltonne. Die Elstern schrien, zeterten und krakelten und ich war vor allen Dingen erleichtert, dass der Falke nicht mitten auf dem Hofboden speisen oder eine Leiche zurücklassen würde. Im Gegenteil, nach einer Verschnaufpause war der Vogel stark genug, seine Beute trotz unseres engen Hofes bis zum Doch des fünfstöckigen Hauses zu schleppen, von wo aus er dann gewiss das nahrhafte Mahl zu seinen Jungtieren flog. Der Falke war gewiss erleichtert. Aber so froh wie ich kann er gar nicht gewesen sein, dass das federnde Spektakel nun sein Ende gefunden hat.

Bei Wikipedia lese ich, dass der Turmfalke als „Kulturfolger“ gilt. Einige der anpassungsfähigen Greifvögel hat seinen Lebensraum auch auf Städte ausgeweitet. In Berlin brüten wohl jährlich 180 bis 240 Paare (bei langen kalten Wintern weniger). Der Nabu Berlin hat sogar eine eigene Fachgruppe, die jährlich bis zu fünfzig Turmfalken betreut.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Turmfalke

https://berlin.nabu.de/tiere-und-pflanzen/vdj/2007-turmfalke/index.html

https://berlin.nabu.de/wir-ueber-uns/fachgruppen/greifvogelschutz/index.html

 

Ich freue mich, so einen einzigartigen imposanten Greifvogel so nah habe beobachten können und dennoch ist mir immer noch ganz schrecklich blümerant zumute. Ich zeige da hier lieber schnell noch meine Katzen, wie sie das Hofgeschehen beobachten. Und als Beweis für die Wahrheit der Geschichte weiße Federn auf dem grauen Hofbeton.

 

Advertisements

„Unkraut“ am Straßenrand

 

Auf und an den Fußwegen meiner Straße wird – zur Freude vieler, aber sicher auch zum Groll der Ordnungsfetischisten – der Natur ihren Lauf gelassen. Wo sich zwischen Pflastersteinen und Beton tatsächlich ein Pflänzlein ansiedeln konnte, darf es auch bleiben. Zudem stellen immer mehr Nachbarn Blumenkübel auf die Straße und bepflanzen die tristen und verkoteten Baumscheiben. Dazu ein eigener Beitrag die kommenden Tage.

Hier ein paar Bilder des aktuell blühenden Straßen“un“krautes.

Rhabarber und Hyazinthe 11 – Das Ende

 

Ist Ostern kühl und nass, steht uns ein sonnig warmes Pfingstfest bevor – behaupte ich ganz trotzig.

Und so ganz schlecht ist das diesjährige Osterwetter auch nicht. Hagel – Regen – Sonnenschein – war wäre der April ohne diese stete Unbeständigkeit. Die Pflanzenwelt weiß den Regen sehr zu schätzen. So wundervoll grün werden Gras und Bäume hier in der Stadt nicht lange bleiben.

Nun ein letzter sonntäglicher Blick ins Rhabarberbeet. Ab kommender Woche folgt dann eine neue Beitragsreihe, die den Blick etwas weiter über den Kübelrand unserer Straße richten will.

 

 

 

 

Rhabarber und Hyazinthe 10

Rhabarber und Hyazinthe 9

Der Blick in die Kübelbeete vor dem Nachbarhaus ließ mich staunen: die Rhabarberpflanze, die offensichtlich „nur“ zur Zierde dient, schießt schon in die Blüte. Fast kann man der Knospe beim Wachsen zusehen.

Die Hyazinthe blüht noch immer und auch die Narzissen leuchten nun mit ihren gelben Blüten. Im Nachbarkasten zieht eine wunderschöne und tiefrote Ranunkel die Blicke auf sich.

Ich habe inzwischen vor meinem dunklen Hinterhausfenster Zuckererbsen ausgelegt und bin gespannt, ob Licht und Wärme zum Keimen und Wachsen ausreichen. Vor unserem Haus, auf der bisher als Hundeklo und Müllplatz benutzten Baumscheibe, habe ich inzwischen ein paar Stiefmütterchen gepflanzt und hoffe auf baldige Ableger aus dem elterlichen Garten, um sie dazuzusetzen. Offensichtlich diente mein Beispiel als Anregung: eine weitere Baumscheibe ist mit Komposterde bedeckt. Mal sehen, was die Nachbarn hier so einbuddeln.

Die Bilder können durch einen simplen Klick vergrößert werden.

 

 

Hier die früheren Beiträge. Besonders eindrucksvoll ist der Vergleich mit den ersten Aufnahmen vor neun Wochen.

Rhabarber und Hyazinthe 1

Rhabarber und Hyazinthe 2

Rhabarber und Hyazinthe 3

Rhabarber und Hyazinthe 4

Rhabarber und Hyazinthe 5

Rhabarber und Hyazinthe 6

Rhabarber und Hyazinthe 7

Rhabarber und Hyazinthe 8

Draußen zeichnen

Wenn es wieder wärmer wird, kann ich endlich auch wieder draußen zeichnen. Skizzenbuch und Bleistifte, so habe ich es mir in der Tagesklinik angewöhnt, habe ich meist bei mir.

Diese Skizze entstand letzte Woche am Wasserturm, als der Vorfrühling seine ersten Fühler nach uns ausstreckte.

Am Wasserturm, Skizze A5, Bleistift, 15.02.2017
Am Wasserturm, Skizze A5, Bleistift, 15.02.2017

 

 

Immer die Andern …

Ich wechsele nun täglich zwischen zwei Welten – der Umgebung zu Hause, an die ich mich erst langsam wieder gewöhnen muss und meiner inzwischen vertrauten Station in der Klinik. Normalerweise bin ich zu jeder Jahreszeit mit dem Fahrrad unterwegs. Das geht in Berlin oft am schnellsten, verursacht keine zusätzlichen Kosten und erspart so manchen Stress im Berufsverkehr. Nun aber habe ich mir für den Fahrtweg von und zur Klinik ich ein Monatsticket der Verkehrsbetriebe gegönnt. Das eröffnet völlig neue Perspektiven auf die Stadt und ihre Bewohner, die sich morgens schlechtgelaunt in der Straßenbahn tummeln. Damit ich den Weg gut überstehe, schotte ich mich mit Musik auf den Ohren ab. Auf Dauer ist das wohl schlecht für die Ohren, die nun laut beschallt werden, um den Straßenlärm zu übertönen. Aber der Seele tut es gut – gibt es etwas besseres als mit guter Musik in den Tag zu starten?