Dr. rer. nat., leider depressiv!

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Dr. rer. nat., leider depressiv, Entwurf, Bleistift, Skizzenbuch A5, 02.11.2017

 

Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, in einem Sozialstaat, und wer in soziale Bedrängnis gerät, erfährt selbstredend Hilfe. So sollte es sein. Und viele von uns glauben auch daran, dass dem so ist. Niemand müsse auf der Straße schlafen, niemand müsse hungern in unserem reichen Lande. Als ein schwankender Obdachloser von zwei Polizisten aus der Bahn geführt wird (sehr höflich wohlgemerkt), doziert eines der jungen ausgehfein herausgeputzten Mädchen verächtlich vor ihren Freundinnen: „Der muss hier nicht so sitzen. Der soll sich Hilfe suchen. Es gibt Stellen, an die der sich wenden kann, da wird ihm geholfen.“

Ich bin unschlüssig. Soll ich mich ärgern über diese dumme Ignoranz der grauen Realität gegenüber? Oder soll ich mich freuen für das junge Ding, sie beneiden um ihre Naivität und Blauäugigkeit? Schließlich bedeutet es doch ein Gefühl von Sicherheit und Wärme zu wissen, dass man in Notsituationen Unterstützung erfahren würde.

Ich selbst habe immer geahnt, gewusst, dass es genug traurige Gründe gibt, warum Menschen ihre Wohnung verlieren.  Auch und sogar in unserem reichen Land. Aber dass das soziale Netz derartig löchrig ist und alle jene hindurchgleiten, die aus dem Schema fallen, nach welchem das Sozialgesetzbuch gestrickt ist, hätte ich nicht im Traum geahnt. Die Würde des Menschen ist dehnbar. Ich möchte gerne schreien, laut aufschreien über die Ungerechtigkeit. Unwürdigkeit. Erniedrigung. Und morgen aufwachen in einer wärmeren Welt.

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Und es ward Stille

 

 

Alle waren sie fassungslos, standen stumm, erstarrt. Selbst die Blätter an den Bäumen wagten nicht zu rascheln.

Duldsam waren sie gewesen. Nur wenige hatten die Menschen bisher aus ihrer Mitte geholt. Die Schwachen. Die angeblich Nutzlosen. Die Unbeliebten. Die Anderen. Dann war eine Weile Ruhe gewesen und sie hatten gedacht, aufatmen zu können. Sowieso – hätten sie etwas anderes tun können, als still die Stirn zu runzeln und sich innerlich von den Grobianen zu distanzieren?

Nun hatte es das kleine Einhorn getroffen. Alle hatten es geliebt. Es war schnell gewesen, wild, unbezähmbar, gewitzt und phantasievoll. Es sang die wundervollsten Lieder und konnte Geschichten erzählen, die alle in eine andere Welt versetzte.

Nun lag es hier. Hauchte sein Leben aus. Löste sich auf. Ins Nichts.

Und nun?

 

Die Tuschezeichnungen entstanden auf A3 Papier, waren daher nicht normal einzuscannen und reflektierten das Licht beim Photographieren. Daher ist die Bildqualität hier nicht optimal. Wenn ich eine andere Digitalisierungsmöglichkeit gefunden habe, werde ich die Zeichnung nochmals einstellen.

 

Herbstleuchten 4: Ende September

 

Trüb ist es in Berlin auch am Tag nach der Wahl. Das Wetter trägt grau. Ich bin froh darüber. Eitel Sonnenschein über dem Regierungsviertel hätte ich reichlich unpassend gefunden.

Der September geht dem Ende zu. Jetzt ist es auch dem Kalender nach Herbst. Noch ist es relativ mild, aber die Bäume färben sich zusehends. Das hat den Vorteil, dass auch die grauen Tage noch ein wenig Farbe vorgaukeln.

In den städtischen Parks werden die Tupfer der Wiesenblumen langsam durch buntes Herbstlaub ersetzt. Die meisten Rosen sind abgeblüht, doch einige standhafte Sträucher nicken uns noch immer mit rosa Blütenköpfen zu. Sie scheinen sich über die ihnen besondere Beachtung zu freuen.

 

Die Galerie öffnet sich durch Anklicken eines Bildes.

 

 

Herbstleuchten 3: Altweibersommer

 

Die vergangene Woche war in Berlin relativ mild. Das konnte ich zwar wegen meines Infektes nicht richtig ausnutzen. Die Natur aber dankt es, indem sich das Herbstwelken der Bäume noch eine Weile Zeit lässt. An den meisten Bäumen dominiert noch immer das Grün. Umso hübscher sehen die vereinzelten gelben Blätter aus.

Die Kastanienbäume am Prenzlauer Berger Falkplatz fand ich zu vergangener Woche fast unverändert. Ein Baum scheint der Rosskastanienminimiermotte besonders zu trotzen und zeigt fast noch fleckenarme Blätter. In dem Zusammenhang danke ich besonders Myriade und Clara, die mich auf diese kaum einzudämmende Kastanienplage hingewiesen haben. Ich hatte die braunen Blätter vergangene Woche froh-naiv für frühe Herbstboten gehalten.

Habt Ihr auch schon die ersten Kastanien aufgelesen?  Ich kann gar nicht anders, als mich überall nach diesen glänzenden leuchtenden braunen Kugeln zu bücken und meine Taschen mit ihnen vollzustopfen und nach Hause zu schleppen. Meine Katzen Lina und Lotta danken es mir und spielen eifrig Kastanien-pfot-ball.

Herbstleuchten 2: Kastanienbäume als Wegbereiter?

 

Bereits Ende August hatte ich den Eindruck, dass in den Berliner Parks die Rosskastanien nicht nur mit den prunkvollsten Maiblüten beeindrucken, sondern auch als frühe Herbstboten auffallen werden. Die Blätter waren zwar noch nicht trocken, zeigten aber bereits herbstliche Farbflecken auf.

Im Mai drängten sich die Kastanienbäume durch ihre prächtigen Blüten in den Blick. Heute fallen Rosskastanien zumindest im Berliner Straßenraum als die ersten Bäume ins Auge, die sich bereits komplett ihr goldenes Herbstkleid gewandet haben.

Vor drei Wochen schon waren die Kastanienblätter deutlich gefleckt. Heute sind nahezu alle Blätter trocken und rollen sich ein. Wie lange werden die Äste ihre Blattkinder noch festhalten können?

 

Rückblick:

Rosskastanie am Sonntag, 26. August 2017

 

 

Rosskastanie am Sonntag, 03. September 2017

 

Rosskastanie am Sonntag, 10. September 2017

 

 

Wie sieht die Natur in Eurer Gegend aus? Welches sind bei Euch die ersten Herbstbäume?

Gerne könnt Ihr Euch natürlich auch mit eigenen Beiträgen zum Herbstleuchten beteiligen.

So möchte ich mich besonders bei Myriade bedanken, die mir eine große Freude bereitet und ein wunderschönes Drachenbild gepostet hat. Hier geht es zu ihrem Beitrag:

Fröhlichkeit im Herbst

 

 

august

august hat begonnen,

verdammt und verflucht sei die zeit!

der sommer ist durch mich hindurchgeronnen;

ich war doch noch nicht mal zum frühling bereit.

 

noch ist es angeblich schön.

die sonne scheint wohlig und warm

ein lauer wind rauscht durch die blätter

und pärchen flanier’ n arm in arm.

 

der tiergarten strahlt saftig, grün,

motorenlärm stört nur von fern.

die eitle sonne, gespiegelt im wasser –

ich sah das doch früher so gern.

 

familie graureiher sitzt traut am ufer

die kleinen noch flauschig und süß

doch bald sind verlassen die alten,

weil das leben vorbeifliegen muss.

 

die anderen menschen, die fernab von mir

und meiner dunkelheit leben,

erstrahlen vor glück über den tag.

ich aber sitze und grolle hier,

auch weil ich die schönheit des lebens

nicht zu fühlen vermag.

 

halt!, will ich rufen, zeit, halte still,

weil ich für immer hier sitzen will

und blicken aufs wasser

und lieben und leben.

 

doch hohn und spott sind nur übrig für mich.

ich suhl‘ mich im selbstmitleid. fürchterlich!

wie verachte ich mich dafür.

liegt das in meiner natur?

 

die schönheit des lebens

ist folter für mich.

 

die stiche der rostigen nadeln geh ‘n mitten ins herz.

nicht, dass ich nichts fühle,

denn ich fühle den schmerz!

und die wehmut.

ich fühle, nichts wird mehr gut.

 

noch ist es warm, doch bald ist ’s vorbei:

die blätter verkünden mir das mit schrillem geschrei

 

– bald kommt das ende.

 

ich war noch nicht mal zum frühling bereit,

da ist schon der sommer durch mich hindurchgeronnen.

bald hat der herbst begonnen.

verdammt und verflucht sei die zeit!