Parkgekritzel

 

Freitag gab der Sommer in Berlin ein warmes, wenn auch mückenreiches Gastspiel. Draußen zeichnen hieß es da für mich.

 

Als uns der Himmel auf den Kopf zu fallen drohte …

 

… blickte Lina ziemlich sorgenvoll aus dem Fenster. Der Krach war ihr merklich unheimlich und doch war das Geschehen so faszinierend, dass sie wie in Stein gemeißelt auf ihrem Kratzbaum sitzen blieb.

Das musste mich einfach zu einer Kritzelei inspirieren.

 

20170722_Gewitter

Fliegen

Fliegen

 

Inzwischen ist es so, dass es für mich nicht mehr ganz so anstrengend ist, in den Räumen der Ergotherapiepraxis zu sein. Ich bin zweimal wöchentlich dort, jeweils zur selben Zeit und meist in Anwesenheit eines mir inzwischen bekannten (wenn auch nicht vertrauten) PatientInnen- und TherapeutInnenkreises.

 

Ich komme zur festgelegten Zeit, weiß inzwischen, wo die Materialien sind und ich bekomme meist ungefragt Hilfe beim Aufbau von Staffelei und Leinwand angeboten. Gelegenheit zum Training von Kommunikation ist dennoch. Psychische Krankheit geht ja nicht bei allen PatientInnen mit Schweigsamkeit einher. Ich wundere mich manchmal, welches Redebedürfnis die anderen KlientInnen der Praxis haben. Das ist auch eine Strategie in der Krankheitsbewältigung. Auf Smalltalk kann ich mich nicht einlassen und ich erzähle auch nichts von mir, aber meine Bilder laden MitpatientInnen zu regelmäßigen Fragen ein: warum dieses Motiv, warum die Farbe, ist das ein Selbstporträt, ein Spiegel, ein Wunschtraum? Inzwischen bringt mich das immerhin nicht mehr so ins Schleudern und ich ducke mich nicht mehr vor Angst, angesprochen werden zu können.

 

Das erste große Bild ist fertig. Ich habe es nicht abgemessen, aber es dürfte vielleicht zwei Meter breit sein. Damit ist es entschieden zu groß, um bei mir zu Hause Platz zu finden. Für mich schmeichelhafterweise freuen sich die Mitarbeiter der Praxis, mein Bild als Dauerleihgabe zu behalten und an prominenter Stelle – im regelmäßig frequentierten Durchgang und Raucherraum – aufzuhängen.

Für einen richtigen, endgültigen Titel konnte ich mich noch nicht entscheiden, „Fliegen“ ist die vorläufige Version.

 

 

 

Nun arbeite ich an einem weiteren großen Bild und ich bin so ergriffen vom Thema Wolf, dass für mich kein anderes Motiv in Frage kommt als ein einsamer Wolf in den Weiten der Steppe – – – was zugegebenermaßen reichlich Gelegenheit für Projektionen und Deutungen gibt.

Die Rohversion zeige ich hier schon einmal.

20170714_ERGOWolf64

 

Was das angesprochene Thema der „Ausstellung“ betrifft – ich setze das Wort bewusst in Gänsefüßchen, denn es ist nicht so hochtrabend „wichtig“, wie es klingt (fast komme ich mir vor wie eine Hochstaplerin):

Am 18. August wird das zweijährige Jubiläum der Praxis mit einem Tag der Offenen Tür gefeiert. In diesem Rahmen werden öffentlich Arbeiten gezeigt, die in der Ergotherapiepraxis entstanden sind. Ich darf und werde meine beiden großen Bilder zeigen, aber auch zu Hause entstandene Ölbilder und einige der Zeichnungen, die ich in der Klinik als Überlebensstrategie gezeichnet habe.

Ich kann Euch auch die vielen interessanten Werke der anderen ans Herz legen. In der Praxis tummeln sich hoch kreative und ausdrucksstarke Menschen. Falls jemand von den Ortsansässigen Interesse hat, beschreibe ich noch einmal, wann und wo genau Fest und „Ausstellung“ stattfinden werden.

Ein paar der Bilder hängen seit Freitag:

20170721_Bilder

 

 

 

 

Rabenvögel

Rabenvögel

 

Was mich im Wildpark Schorfheide zunächst besonders erstaunte war, dass der Park voller Rabenvögel war. Zum Berliner Stadtbild gehört die auch recht imposante Nebelkrähe. Weder in Berlin noch in Brandenburg waren mir bisher je die schwarzen Kolkraben aufgefallen.

 

Das sei kein Wunder, sagte Imke Heyter, die den Park mit ihrem Vater zusammen konzipiert und aufgebaut hat und heute als Geschäftsführerin leitet, als sie uns durch das Gelände führte. Die im Wildpark lebenden Wölfe zögen die Raben an. Beide lebten in einer Art Symbiose.

 

In der Tat habe ich später zu Hause, als ich mich über Wölfe und Raben im Internet belas, ähnliches gelesen. Raben seien „die Augen der Wölfe“ heißt es etwa in dem Buch des Verhaltensforschers Günther Bloch „„Auge in Auge mit dem Wolf““, über den in diesem Online-Artikel der Frankfurter Rundschau berichtet wird. Ein weiteres Buch, das auf meiner Dringend-Lesen-Liste gelandet ist.

http://www.rundschau-online.de/-die-raben-sind-die-augen-der-woelfe–11564672

 

Seitdem habe ich einige Bildideen im Kopf.

 

Zunächst wollte ich mich dem Thema Rabenvögel aber – gefüttert durch Online-Fotos – mit ein paar Skizzen nähern.

 

Wenn Ihr auf eines der Bilder klickt, öffnet sich die vergrößerte Ansicht.

 

Ailaf, Marina und Mayaa …

Ailaf, Marina und Mayaa …

 

… so heißen die drei Jungwölfe, die ich letzte Woche im Wildpark Schorfheide sehen durfte. Die drei kommen aus dem Zoo in Gotha und haben das wirklich große Glück, ihr Wolfsleben in der Schorfheide verbringen zu können, in einem riesigen Wolfsgehege mit genug Rückzugsmöglichkeit. Nur ein Teil des Geheges ist von außen einsehbar. Zwischen den Bäumen des Schorfheidewaldes gibt enormen Auslauf und viel Platz sich zu verstecken. Die Schorfheider Wölfe, wie auch die anderen Tiere des Parks,  werden nicht wie Zoo“objekte“ auf dem Präsentierteller vorgeführt. Statt dessen können die Besucher des Wildparks die Tiere in annähernd natürlicher Umgebung beobachten. Dazu gehört dann aber auch, dass man manche Tiere eben nicht immer zu sehen bekommt. Von den beiden erwachsenen Wölfen habe ich nur einen, und zwar ganz aus der Ferne, entdecken können und das empfand ich als ein besonderes Glück.

Ja, je mehr ich mich mit diesen Tieren beschäftige, umso begeisterter bin ich. Diesen Beitrag schreibt ein inzwischen brennend begeisterter Wolfsfan.

 

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Jungwölfe beim Spiel, Skizzenbuch A4, Bleistift und Grafit, 13.07.2017

 

Vor einer Woche waren die Wolfswelpen noch sieben Wochen alt und lebten im Aufzuchtgehege, gepflegt und beschützt von ihren menschlichen Mamas, von denen immer mindestens eine in ihrer Nähe war. Die Aufzucht durch Menschen in den ersten Lebenswochen ist für in Gefangenschaft lebende Wölfe wichtig, damit diese ihre natürliche Furcht vor uns Menschen verlieren und nicht ihr Leben lang unter Stress durch die Nähe zum Menschen leiden. Doch schon bald, allerspätestens in der zwölften Lebenswoche, ziehen die Jungwölfe zu den beiden erwachsenen Artgenossen um. Die Schorfheider Wölfe sollen „wölfisch“ leben und nicht auf den Menschen fixiert sein.

 

Vor Ort habe ich zwar einige Zeichenversuche gemacht, allerdings waren die jungen Wölfe für mich zu flink. Meine Wolfskind-Zeichnungen (auch siehe hier und hier) entstanden alle anhand der gemachten Fotos. Für den nächsten Schorfheide-Ausflug habe ich mir vorgenommen, stattdessen lieber die Filmfunktion zu nutzen – das würde mir die dreidimensionale Wahrnehmung erleichtern und ich könnte besser erkennen, ob ich neben dem Ohr rechte oder linke Pfote oder aber ganz etwas anderes sehe. Vorerst nehme ich weiter mit meinen Fotos vorlieb.

 

 

Mehr Bilder der drei Wolfskinder und weitere Informationen gibt es übrigens hier:

https://www.wildpark-schorfheide.de/de/neu-im-wildpark-ailaf,-malina-mayaa.html