S-Bahn-Skizzen (10)

 

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Im Mondenschein

 

Am Montag in der S-Bahn habe ich eine junge Frau mit Kopfhörern skizziert. Sie stieg aus,  ich kitzelte weiter, frei nach Schnauze und frei vom Original, das ich nur noch wenig im Gedächtnis hatte. Am Dienstag, nach meiner erleichternden Nachricht, entschied ich plötzlich, dass diese Frau nicht blass und farblos bleiben dürfe, übertrug die Skizze auf Markerpapier und gestaltete die Flächen farbig. Die Zeichnung scannte ich ein und experimentierte mit einigen Fotografien, die neulich Abend mit bewegter Langzeitbelichtung entstanden. Die Ergebnisse finde ich gar nicht so übel.

 

Ursprüngliche S-Bahn-Skizze und Markerzeichnung:

 

 

Kreativitätsexplosion

 

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Daumen hoch dem Spiegelbild, Feder und Pinsel, Tusche, Acrylfarbe (Titanweiß), © Agnes Podczeck 08.11.2017

 

Federnden Schrittes flog ich heute zur Ergotherapie. Ja, einen Teil der Last habe ich wirklich zu Hause lassen können.

Im Offenen Atelier gesellte ich mich dann zur Morgenbesprechung der kleinen Zeichengruppe, der ich sonst immer fern geblieben war. Deutete dort erstmals etwas von den Ängsten der letzten Wochen, ach Monate, an! Das Teilen tat wohl. Sodann noch eine Überraschung. Vorige Woche hatte ich in der Praxis einen Zettel ausgehängt, ob jemand am gemeinsamen Portraitzeichnen Interesse hat. Mit Resonanz hatte ich nicht gerechnet, doch ich wurde vom Gegenteil überrascht.

Wir sind, bisher, zu zweit und ich musste mal wieder feststellen, was sich mir beim Musizieren auch schon immer bewiesen hat: Alleine rummosern ist gut und erfüllend; aber verschiedene Köpfe können sich gegenseitig zu einer Kreativitätsexplosion inspirieren, bei der ein Gedanke den nächsten beflügelt.

Wir basteln uns erst einmal Gipsabdrücke von unseren Händen und Köpfen, so haben wir vollkommen unbewegliche Modelle, die mit Mützen, Schals und Perücken frei variabel veränderlich sind und wir können gleichzeitig und am gleichen Motiv arbeiten. Später dann geht es an echte Menschen. Für mich heißt das: reden, sich absprechen, auf andere einstellen. Wahrscheinlich auch einiges erklären, weil ich ja nun schon ein wenig erfahren bin im Portraitzeichnen. Aber heute war das für mich gar nicht schlimm – vielleicht auch, weil mein Gegenüber psychisch ebenso wie ich sehr „angeschlagen“ ist und Kontaktängste und Redeschwierigkeiten sehr wohl selbst zu kennen scheint, nicht zu schnell und nicht zu laut spricht. Die Zusammenarbeit war nicht nur „nicht schlimm“, sondern sogar recht lustig, als wir die Kindergartenkinder mit dem Gips zu hantierten.

Zu Hause dann noch eine zeichnerische Spielerei, das Spiegelbild aufs Papier gebracht und doch nicht wirklich ein Selbstportrait.

 

 

Die Rettung ist gekommen?

 

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Rettung? Tusche auf Steinpapier (A3), Oktober 2017

 

Spaß muss sein. Auf einen speziellen Wunsch hier mein erstes gezeichnetes Ufo (zwei übereinandergestellte Suppenteller) in Waldlandschaft. Ich habe auch schon eine Ahnung, wer da gleich aussteigen wird, es aber noch nicht aufs Papier gebracht. Nicht nur Spaß, auch Spannung muss sein.

In diesem Sinne – auf ein schönes Wochenende!

Wolf, Zeichnung mit dem Grafitstift

 

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Wolf, Grafitstifte auf A4-Skizzenpapier, 24.10.2017

 

Auf der leicht rauen Oberfläche des Steinpapiers haften die trockenen Pigmente des Grafitstiftes besonders gut. Für die großen dunklen Stellen habe ich den Grafitstift direkt über dem Papier angespitzt und den Abrieb mit den Fingern verteilt und dann mit dem Knetradiergummi an manchen Stellen wieder ein wenig weggetupft.

Abgesang

 

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Der Lieblingsbaum, Tusche und Aquarellfarben auf A4-Aquarellpapier, 18.10.2017

 

Der Lieblingsbaum der Kinder (Siehe gestriger Beitrag) ist nicht mehr. Als ich heute Nachmittag in den Park kam, um ihn aus einer anderen Perspektive zu zeichnen, lag er zersägt und aufgeschichtet. Der Baumstumpf zeigt – er war wohl morsch. Und so ist es vielleicht ein Glück, dass Xavier an ihm seine stürmischen Kräfte erprobte, bevor ein kletterndes Kind mitsamt einem hohlen Ast abstürzen konnte.

 

Viele traurige Gesichter um das nun ehemalige Bäumchen. Enttäuschte Kinder führen ihre Mütter her: Mama, guck! Andere machen das denkbar beste aus der Situation und nutzen den Stamm als warmen Sitzplatz, um die auch heute wärmende Oktobersonne zu genießen.

 

Ich werfe ein Bild vom kurzen Baumstumpf aufs Papier. Die Frau, die auf zurechtgelegten Stamm sitzt, wage ich nicht zu fragen, ob ich sie so zeichnen darf. Wahrscheinlich hätte sie es gar nicht abgelehnt. Sie sah sympathisch aus und gehörte zur Gattung Zeitungsleserin; den „Freitag“ hatte sie in ihrer Hand. Das Bild wär‘ schön geworden – in meiner Phantasie.

 

Doch fotografisch habe ich ihm noch Respekt gezollt und hier nun seht meinen Abgesang auf ihn –  den Lieblingsbaum der Kinder.